Hiroko Oyamada

Die Fabrik

Roman
Cover: Die Fabrik
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498007942
Gebunden, 160 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Nora Bierich. Hiroko Oyamada destiliert das tiefe Unbehagen einer Welt, in der die Unternehmen kaum wahrnehmbar immer mehr die Kontrolle über unser Leben ausüben.Die Fabrik ist ein schier unüberschaubar großes Industriegelände in einer namenlosen japanischen Stadt. Die Angestellten widmen sich den ihnen zugewiesenen Aufgaben, den höheren Zweck kennen sie nicht. Drei junge Menschen finden hier Arbeit: eine Frau, die einen Papierschredder bedient, ein Mann, der nicht näher spezifizierte Dokumente Korrektur liest, ein dritter, der das Moos studiert, das auf dem weitläufigen Gelände wächst.Während sie gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen, nehmen die Tage eine seltsame Logik und Dynamik an. Die Fabrik scheint sich immer mehr auszudehnen, die Ränder der Realität nach und nach aufzulösen. Wo endet die Fabrik, wo beginnt der Rest der Welt? Was ist mit den seltsamen Tieren hier los? Irgendwann stellt sich für alle drei die grundlegendste aller Fragen: Was mache ich hier eigentlich? 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2026

Rezensent David Hugendick ist für die Zeit nach Tokio gereist, um mit Hiroko Oyamada über ihren im Original bereits 2013 erschienenen Roman zu sprechen - und um zu ergründen, wie es ihr gelingt, die vermutlich "unheimlichsten" Romane der Gegenwart zu schreiben. Allzu viel scheint der Kritiker darüber nicht von der Autorin zu erfahren, so versucht er ihrem Geheimnis anhand des vorliegenden Romans auf die Spur zu kommen. In einer namenlosen, von schwarzen Kormoranen umgegebenen Fabrik, von der wir nicht einmal erfahren, was sie produziert, begegnen wir drei Menschen, die äußerst sinnlose Arbeiten verrichten. Nebulöses Gemurmel ist zu hören, während die drei Helden zunehmend monotoner und gefühlsärmer zu erzählen beginnen und sich ganz dem "Sog der Sinnlosigkeit" hingeben, resümiert Hugendick. Die geradezu "tranceartige" Atmosphäre erinnert den Rezensenten nicht nur an Kafka und Melville, sondern auch an Natsume Soseki oder Kobo Ane. Vielleicht sind es aber vor allem die Momente absurder Komik und die "kalligrafische Präzision", die das ganz Eigene von Oyamadas Romanen ausmachen, vermutet der tief beeindruckte Kritiker. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.01.2026

Die titelgebende Fabrik in Hiroko Oyamadas Debütroman ist ein ganzes Dorf, in dem es sogar einen Tierarzt und ein Steak-House gibt, gruselt sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus vor diesen totalen Ausmaßen der Arbeit, die die Japanerin Hiroko Oyamada in ihrem Roman freilegt. Ihre drei Protagonisten sind dort angestellt und betreiben sogenannte "Shit Jobs", zum Beispiel schreddern sie sieben Stunden am Tag Akten, erfahren wir. Eigentlich weiß aber keiner, was der andere tut und was die Fabrik überhaupt herstellt - das erinnert den Kritiker weniger an Kafka und mehr an Ionesco. Ihn stört hier allerdings, dass die schmucklose Sprache viele Figurenunterschiede einstampft und dass nicht alle Handlungsstränge aufgehen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass das Buch im Original schon vor über zehn Jahren erschienen ist.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…