Hiroko Oyamada

Die Fabrik

Roman
Cover: Die Fabrik
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498007942
Gebunden, 160 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Nora Bierich. Hiroko Oyamada destiliert das tiefe Unbehagen einer Welt, in der die Unternehmen kaum wahrnehmbar immer mehr die Kontrolle über unser Leben ausüben.Die Fabrik ist ein schier unüberschaubar großes Industriegelände in einer namenlosen japanischen Stadt. Die Angestellten widmen sich den ihnen zugewiesenen Aufgaben, den höheren Zweck kennen sie nicht. Drei junge Menschen finden hier Arbeit: eine Frau, die einen Papierschredder bedient, ein Mann, der nicht näher spezifizierte Dokumente Korrektur liest, ein dritter, der das Moos studiert, das auf dem weitläufigen Gelände wächst.Während sie gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen, nehmen die Tage eine seltsame Logik und Dynamik an. Die Fabrik scheint sich immer mehr auszudehnen, die Ränder der Realität nach und nach aufzulösen. Wo endet die Fabrik, wo beginnt der Rest der Welt? Was ist mit den seltsamen Tieren hier los? Irgendwann stellt sich für alle drei die grundlegendste aller Fragen: Was mache ich hier eigentlich? 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.03.2026

Rezensent Samuel Hamen liest Hiroko Oyamadas Buch gerne, auch wenn er an dessen politischen, beziehungsweise eher unpolitischen Ausrichtung einiges auszusetzen hat. Es geht um eine Fabrik, die irgendwas mit Moosen und Schreddern zu tun hat, aber insgesamt nicht allzu produktiv zu sein scheint, drei Figuren erzählen in der ersten Person von ihren Tätigkeiten im Unternehmen. Diese gestalten sich oft als absurd und sinnlos, teils driftet der Roman auch ins Unheimliche und Märchenhafte. So weit, so interessant, allerdings belässt es Oyamada, kritisiert Hamen, beim Allegorischen, anstatt die Erzählung in einen kapitalismuskritischen Kontext einzubetten - erst das hätte sie in emanzipative Literatur verwandelt. Auch erscheint dem Rezensent die gesamte Erzählwelt in Zeiten von KI ein bisschen veraltet. Das Fazit fällt dennoch eher positiv aus, dem Motiv der "Selbstentwirklichung durch die Arbeit" kann Hamen doch einiges abgewinnen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2026

Rezensent David Hugendick ist für die Zeit nach Tokio gereist, um mit Hiroko Oyamada über ihren im Original bereits 2013 erschienenen Roman zu sprechen - und um zu ergründen, wie es ihr gelingt, die vermutlich "unheimlichsten" Romane der Gegenwart zu schreiben. Allzu viel scheint der Kritiker darüber nicht von der Autorin zu erfahren, so versucht er ihrem Geheimnis anhand des vorliegenden Romans auf die Spur zu kommen. In einer namenlosen, von schwarzen Kormoranen umgegebenen Fabrik, von der wir nicht einmal erfahren, was sie produziert, begegnen wir drei Menschen, die äußerst sinnlose Arbeiten verrichten. Nebulöses Gemurmel ist zu hören, während die drei Helden zunehmend monotoner und gefühlsärmer zu erzählen beginnen und sich ganz dem "Sog der Sinnlosigkeit" hingeben, resümiert Hugendick. Die geradezu "tranceartige" Atmosphäre erinnert den Rezensenten nicht nur an Kafka und Melville, sondern auch an Natsume Soseki oder Kobo Ane. Vielleicht sind es aber vor allem die Momente absurder Komik und die "kalligrafische Präzision", die das ganz Eigene von Oyamadas Romanen ausmachen, vermutet der tief beeindruckte Kritiker. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.01.2026

Die titelgebende Fabrik in Hiroko Oyamadas Debütroman ist ein ganzes Dorf, in dem es sogar einen Tierarzt und ein Steak-House gibt, gruselt sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus vor diesen totalen Ausmaßen der Arbeit, die die Japanerin Hiroko Oyamada in ihrem Roman freilegt. Ihre drei Protagonisten sind dort angestellt und betreiben sogenannte "Shit Jobs", zum Beispiel schreddern sie sieben Stunden am Tag Akten, erfahren wir. Eigentlich weiß aber keiner, was der andere tut und was die Fabrik überhaupt herstellt - das erinnert den Kritiker weniger an Kafka und mehr an Ionesco. Ihn stört hier allerdings, dass die schmucklose Sprache viele Figurenunterschiede einstampft und dass nicht alle Handlungsstränge aufgehen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass das Buch im Original schon vor über zehn Jahren erschienen ist.

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