Hiroko Oyamada

Das Loch

Roman
Cover: Das Loch
Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783498004866
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Nora Bierich. Ein junges Paar zieht von der Großstadt aufs Land. Asa folgt ihrem Mann, der von seiner Firma versetzt wird, ihren eigenen Job gibt sie auf. Warum tut sie das? Sie ist nicht schwanger, Kinder sind nicht geplant, sie könnte pendeln. Und ausgerechnet das Heimatdorf ihres Mannes, das Haus neben den Schwiegereltern, bietet sich als neue Bleibe an. Während ihr Mann fast rund um die Uhr arbeitet, versucht Asa, sich an ihr neues Leben als Hausfrau zu gewöhnen. Es ist heiß in diesem Sommer, Unmengen lärmender Zikaden rücken ihr regelrecht auf den Leib, und der einzige Fluss in der Gegend wirkt vor lauter Müll "wie aus Gelatine gemacht". Als Asa sich eines Tages bei unerträglichen Temperaturen auf den Weg in den Nachbarort macht, fällt sie in ein Loch, das scheinbar nur für sie gegraben wurde. Von da an wird Asa immer tiefer in eine unheimliche, eigenmächtige Landschaft gezogen - bis sie ihrer Wahrnehmung nicht mehr traut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2024

Rezensent Wolfgang Schneider zeigt sich beeindruckt von Hiroko Oyamadas kürzlich auf Deutsch erschienenem Roman. Darin erzählt die japanische Autorin von einer scheinbar schlichten Begebenheit, die zu im Stil des Magischen Realismus entfalteten Merkwürdigkeiten führt: Die junge Asahi zieht mit ihrem Mann von der Großstadt aufs Land. In der Umgebung des Hauses, in dem sie dort leben, scheint, wie Schneider rekonstruiert, alles fremd, um Weniges verrückt. Es taucht die Gestalt des älteren Bruders ihres Mannes auf, der als "Hikikomori" - freiwillig sozial Zurückgezogener - versteckt im Schuppen lebt, vor allem aber entdeckt Asahi im Garten Löcher und fällt schließlich, auf der Spur eines seltsamen Tieres, in ein Loch am Waldrand…Der Rezensent lobt vor allem die Genauigkeit, mit der Oyamada ihre surreale Welt erschafft. Nora Bierichs Übersetzung des Romans kann er ebenfalls begrüßen.
 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.07.2024

Als ein veritables Meisterwerk bespricht Rezensent Maximilian Mengeringhaus Hiroko Oyamadas Roman. Die Japanerin erzählt von Asahi, einer Dreißigjährigen, die mit ihrem Mann in die Provinz zieht und dort recht wenig zu tun hat. Sie trifft dann auf ein merkwürdiges, nicht eindeutig definierbares Tier und bald geschehen weitere sonderbare Dinge. Zum Beispiel gibt es zu viele Kinder in dem Ort, schreibt Mengeringhaus, außerdem entdeckt Asahi, der man aber auch nicht alles glauben sollte, Flecken auf der Haut ihrer Nachbarn. Die konkrete Bedeutung solcher untereinander verzahnter Motive bleibt laut Mengeringhaus offen, sie fügen sich jedoch zu einer Atmosphäre, die für den Rezensenten viel mit den Ängsten und der Zukunftsunsicherheit unserer Gegenwart zu tun hat. Ein Buch, das einen einlullt wie süßer Honig, so das begeisterte Fazit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.07.2024

Ein faszinierender Roman, lobt Rezensentin Julia Schröder, die die Autorin Hiroko Oyamada in Berlin getroffen hat. Hauptfigur ist Asahi, eine junge Frau, die mit ihrem Mann aus der Stadt in einen kleinen Ort zieht, ihre eigene Arbeitsstelle aufgibt und Hausfrau wird. Zuerst ist nicht viel los in ihrem neuen Leben, lesen wir weiter, bis ein rätselhaftes Tier auftaucht und sie zu einem mysteriösen Loch führt. Bald tauchen weitere Löcher auf, außerdem immer mehr Pflanzen und Kinder, von denen niemand weiß, woher sie stammen. In die zunächst klar und eindeutig anmutende Oberfläche der Erzählwelt dringen fantastische Motive ein, die die Rezensentin an Lewis Carroll und Franz Kafka erinnern. Doch die nie aufgelöste Geschichte ist bedrohlicher als "Alice im Wunderland", meint Schröder. Eine Naturkatastrophe könnte der Hintergrund sein, oder eine Tradition, die Frauen bis zum Ersticken fesselt. Insgesamt ein starkes, komplexes Buch, das auch von der Präzision der Sprache der Autorin lebt, urteilt die Kritikerin, die auch die Übersetzung von Nora Bierich lobt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.06.2024

David Hugendick vermag es, in seiner kurzen Kritik zur unbedingten Lektüre von Hiroko Oyamadas erstem ins Deutsche übertragenen Roman anzuregen. Auch wenn er das Buch der preisgekrönten Japanerin als "Schauergeschichte übers verzweifelte Hausfrauendasein" bezeichnet, wird deutlich, wodurch der Roman besticht: Es ist der "magische Realismus", der sich hier in Form eines mysteriösen Lochs zeigt, in das die einsame kinderlose Asa fällt - und das sie in ein Paralleluniversum führt: Nichts im ihr vertrauten Dorf ist plötzlich wie es einst war, resümiert der Kritiker, der sich zwischen Gespenstern und Tausendfüßlern zurechtfinden muss. Vor allem aber sind es Oyamadas Naturbeschreibungen, die in der Julihitze so fiebrig vibrieren, dass Hugendick zu dem Schluss kommt: Dieses Buch ist ein "Meisterstück der Unheimlichkeit".
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