Hilmar Klute

Oberkampf

Roman
Cover: Oberkampf
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2020
ISBN 9783869712154
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Paris, der Ausnahmezustand und die Liebe. Die letzte Beziehung beendet und den Job aufgegeben, zieht Jonas Becker nach Paris, um endlich seinen Traum vom Leben als freier Schriftsteller zu verwirklichen. Der Plan - ein Buch über den bohemienhaften Schriftsteller Richard Stein schreiben, während der Verlag die Miete für die kleine Wohnung in der Rue Oberkampf zahlt - scheint zu funktionieren: Die Tage verbringt Jonas mit dem von ihm verehrten Autor, nachts trifft er sich mit seiner neuen Freundin Christine in einer Bar nebenan. Doch mit dem Attentat auf Charlie Hebdo ist die schwebende Atmosphäre in Paris wie weggewischt, die Stadt ist plötzlich im Ausnahmezustand. Zudem reißt ein Brief seiner Ex-Freundin bei Jonas alte Wunden auf, und er erfährt vom plötzlichen Tod eines Freundes. Auch beim anfangs so unerschütterlich selbstgewiss wirkenden Stein zeigen sich Brüche - Jonas erfährt, dass Stein einen vom Vater entfremdeten Sohn hat, der in den USA verschollen ging und in eine Drogenkarriere abzustürzen droht. Als Stein ihn bittet, mit ihm in Amerika den Sohn zu suchen, sagt er zu. Und auch bei Christine muss Jonas sich entscheiden, wie ernst er es meint …

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2020

Rezensent Jens Jessen kann sich erwärmen für Hilmar Klutes Versuch am Genre des negativen Entwicklungsromans. Dass der Held, ein liebestrauriger Autor auf den Spuren Paul Nizons (der Name fällt nicht, aber Jessen vermutet es) so ganz und gar nicht angenehm rüberkommt, weil er mit den Charlie-Hebdo-Attentätern sympathisiert und einfach zu viel Lebensverdruss kultiviert, scheint Jessen verkraften zu können, zumal der Autor offenbar einen Erziehungsauftrag verfolgt und sein entspannter Plauderton täuscht, wie Jessen erkennt: Dahinter steckt wohl doch ein moralisches Konzept, wenngleich eins mit leichter "Unwucht", so Jessen.

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