Hilary Mantel

Im Vollbesitz des eigenen Wahns

Roman
Cover: Im Vollbesitz des eigenen Wahns
DuMont Verlag, Köln 2016
ISBN 9783832198329
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. In Muriels Elternhaus lebt mittlerweile Colin Sydney mit seiner Familie, einer der alten Nachbarn von ihr und ihrer Mutter Evelyn. Vor allem ihn und die Sozialarbeiterin Isabel Field macht Muriel für die Geschehnisse von vor zehn Jahren verantwortlich. Der verheiratete Colin und Isabel waren einst ein Liebespaar. Beide sind aus den Auseinandersetzungen mit Muriel und Evelyn nicht unbeschadet hervorgegangen. Isabel gab damals nicht nur Colin, sondern auch ihren Beruf auf, während Colin in seine trostlose Ehe zurückkehrte. Mittlerweile haben sie angesichts pflegebedürftiger Eltern, renitenter Teenager, schwangerer Töchter und fremdgehender Ehemänner längst resigniert. Dagegen ist Muriels Energie ungebrochen. Auch wenn sie sich selbst als verrückt und dumm bezeichnet, legt sie eine bemerkenswerte Kreativität an den Tag, um Rache zu üben. Bei den Sydneys schleicht sie sich als grell geschminkte Putzfrau Lizzie ein; bei Isabel pflegt sie deren Vater im Altenheim als selbstlose, arme alte Mrs Wilmot. Ihre Rollen spielt Muriel so gut, dass keiner sie erkennt - vielleicht auch deshalb, weil jeder die Ereignisse von damals vergessen will. Erschöpft vom alltäglichen Wahnsinn, ahnen sie nicht, dass sie längst nicht mehr allein über ihr Leben bestimmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2017

Michael Schmitt freut sich, dass nun auch Hilary Mantels zweiter Roman aus dem Jahr 1986 auf Deutsch vorliegt. Erneut begegnet der Kritiker der bereits aus "Jeder Tag ist Muttertag" bekannten Heldin Muriel, die ihm hier allerdings verändert gegenübertritt: Aus dem unförmigen, psychisch zurückgebliebenen und gedemütigten Mädchen ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die sich Haus und Kind zurückerobern will, resümiert Schmitt. Vor allem aber staunt der Rezensent einmal mehr, wie es Mantel gelingt, ihre Heldin mit der Fähigkeit der absoluten Berechnung und Imitation ihrer Umwelt auszustatten, so dass Muriel wie ein programmierter Roboter erscheint, den man nicht nach den Maßstäben traditioneller menschlicher Tugenden bemessen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.12.2016

Sabine Vogel hat das passende Buch zu Weihnachten gefunden: Hilary Mantels fies-gemeine Burleske über eine Familie aus der Mitte bürgerlicher Wohlstandsverwahrlosung und den ganz alltäglichen Wahnsinn. Weil es schlimmer als in Mantels bereits 1986 verfasstem Roman eigentlich nimmer kommen kann, erscheint das Fest der Familie jedem Anti nach dieser Lektüre als herzliches Beisammensein, mutmaßt die Rezensentin. Komisch, unterhaltsam und gnadenlos setzt Mantel laut Vogel ihren Debütroman fort und entlässt die geistig beschränkte Muriel aus der Psychiatrie in ein Panoptikum noch viel durchgeknallterer Gestalten. Herrlich böse, freut sich Vogel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.09.2016

Hilary Mantels Fortsetzungsgeschichte zu ihrem Roman "Jeder Tag ist Muttertag" klingt vom deutschen Titel her für den Rezensenten Burkhard Müller nach leicht behäbiger Krimikomödie. Und wirklich, der Ernst des ersten Teils macht hier einer steigenden Aktionskurve Platz, Horror-Slapstick. Das passt ganz gut zu den Thatcher-Jahren, meint Müller. Und weil das Personal immer noch glaubhaft und der Plot effektiv ist, scheint ihm das Buch ein interessanter Zwitter zu sein. Dass der Band zusammen mit seinem Vorgänger erst jetzt bei uns erscheint, dreißig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, kann Müller nicht ganz verstehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.08.2016

Für Richard Kämmerlings gehört Hilary Mantels "unbeirrbare Irre" Muriel Axon zu den unvergesslichen Figuren der Weltliteratur. Nachdem sie in "Jeder Tag ist Muttertag" ihr Kind umgebracht und ihre Mutter beseitigt hatte, kommt sie im Folgeband "Im Vollbesitz des eigenen Wahns" nun gerade wieder aus der Geschlossenen, verrät der Rezensent. Geheilt ist Muriel allerdings nicht, vielmehr hat sie für ihren Wahn ein neues Futter gefunden: Rache, so Kämmerlings, Rache an den Sydneys, ihren ehemaligen Nachbarn, die mittlerweile in ihrem alten Haus wohnen, Rache an Isabel Field, der Affäre ihres Mannes. Und wie schon im ersten Band spielt der Zufall ein tragende Rolle, immer wieder entstehen unwahrscheinlichste Verbindungen, die von seiner Macht über die Geschehnisse zeugen, erklärt der Rezensent.
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