Herta Müller erfindet eine neue literarische Form des Erzählens. Eine Geschichte in Collagen. Gezeigt werden Szenen im Auffanglager einer deutschen Kleinstadt. Einer der Beamten in der Erzählung ist ein gewisser Herr Fröhlich von der Prüfstelle B. Ein anderer breitet bei jeder Begegnung die Arme aus wie ein Vogel und sagt Oh, Oh, Oh. Aberwitzige Gespräche mit ihnen werden zu einem unfreiwillig komischen Schlagabtausch. Und dann ist da das Heimweh der Geflohenen, das immer größer wird und an den Himmel anwächst. Meisterlich versteht es Herta Müller, Bilder dafür zu finden, wie sich Ohnmacht anfühlt, und was Willkür anrichtet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2021
Rezensentin Lena Bopp entdeckt in Herta Müllers Collagen-Gedichten nicht nur die Verzweiflung des Flüchtlings, die Absurditäten der Bürokratie in Deutschland und des Sicherheitsstaates in Rumänien, sondern auch die Schönheiten im deutschen Winter. Die Traurigkeit und Einsamkeit, die das lyrische Ich jeweils vermittelt, schärfen laut Bopp die Sinne dafür. Wie Müller hier eigene Erfahrungen verarbeitet, macht für die Rezensentin einmal mehr deutlich, dass der Weg in die Freiheit für viele Menschen zur Farce wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.08.2021
Rezensent Hans von Trotha liest Herta Müllers Erzählung als Collage, die Collage als Gedicht, oder andersherum. Der Kniff der Autorin, Bilder und Texte (fremde wie eigene) immer neu zu arrangieren, kommt auch dem aktuellen Buch zugute, meint Trotha. Der Erzähler, ein Beamter in einem Auffanglager, bringt laut Trotha typische Müller-Motive wie Heimweh und Fremdheit ins Spiel und zieht den Rezensenten hinein in die Müllerschen Obsessionen.
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