Neuauflage des 1923 erschienen Romans. Der Bankangestellte Franz Polzer, gefangen in einer inhumanen Arbeitswelt, ist im Fatalismus gefangen und auf ein bloß vegetatives Dasein zurückgeworfen. Einzigen Halt findet er in einem Streben nach Ordnung und Sicherheit als Schutz gegen die als feindlich und unberechenbar erkannte Umwelt. Für Polzer hat die Geradlinigkeit eines fest eingeplanten Tagesablauf eine fast religiöse Bedeutung. Nur die Vorhersehbarkeit eines jeden Tages läßt ihn das Leben ertragen. Die Welt ist sein innigster Feind. Seine Sexualität ist das Resultat traumatischer Kindheitserlebnisse. Die Angst vor jeder Veränderung hat ihn in die Arme seiner Hauswirtin, einer verblühten Witwe getrieben, die sich seine Phobien zunutze macht und ihn bis zur körperlichen Vergewaltigung in Besitz nimmt. Es entwickelt sich ein Erdrutsch aus Ausweglosigkeit, religiösem Wahnsinn, Geldgier und verkorkster Sexualität, der alle unter sich begräbt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2001
Thomas Mann war vom schriftstellerischen Können des früh verstorbenen Tschechen Hermann Ungar begeistert, Stefan Zweig dagegen zeigte sich - wenngleich fasziniert - insgesamt eher angewidert. Der Rezensent Frank Schäfer stimmt Zweig zwar in seiner Diagnose zu, er hält den "Ekel vor dem Organischen" für die Essenz des Buches, aber trotzdem teilt er Thomas Manns Fazit: alles in allem ist er von dem Roman und dessen "klinischer, metaphernarmer, aber keineswegs kunstloser Prosa" sehr angetan. Die Inhalte der Geschichte, Misogynie und Homoerotik, sind in einer "hochgradig artifiziellen Struktur" kodiert und literarisch verschlüsselt, findet der Rezensent und nennt den Roman eine "komplexe, psychopathologische Fallstudie".
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