"Alles Große steht als ein Trotzdem da", heißt es im Tod in Venedig. Es ist trotz Kummer, Qual und tausend Hemmnissen zustande gekommen. Zehn Jahre nach seinem Buch über das Leben Thomas Manns legt Hermann Kurzke nun einen Gang durch das dichterische Werk vor. Was alles dazugehörte, um Romane wie "Buddenbrooks", "Der Zauberberg", "Joseph und seine Brüder" oder "Doktor Faustus" zu schreiben, - was dazugehörte an Bedingungen, Umständen, Vorlieben, Prägungen, Überzeugungen, Kenntnissen, Techniken, Leidenschaften, Widrigkeiten, Glücksfällen und Katastrophen, und wie es dann jeweils zu einem Werk zusammenschoss, das wird hier in einer kunstvoll verflochtenen Kette von in sich geschlossenen thematischen Abschnitten gezeigt. Sie heißen "Lange Sätze" oder "Lebensausbeutung", "Erotik" oder "Feinde", "Süßer Schlaf" oder "Der Sinn der Welt".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.06.2009
Mit viel Vertrauen begegnet Hannelore Schlaffer diesem Autor und seinem Gegenstand. Dass Hermann Kurzke weiß, wovon er schreibt, ist für Schlaffer ganz unzweifelhaft. Schließlich versenkt sich Kurzke nicht zum ersten Mal in die Biografie Thomas Manns, um dessen Werk zu erläutern. Die Neugier des Lesers, meint Schlaffer augenzwinkernd, ist ihm gewiss. Nach einigen, dem "poetisch gehöhten" Stil Kurzkes im Auftakt des Bandes anzulastenden Leseschwierigkeiten steigt Schlaffer ein und schaut unter des Autors literaturbeamtlicher Anleitung hinter die bürgerliche Fassade Manns. Bis ins Detail folgt sie ihm, sieht sich mit den kurzen Kapiteln gut unterhalten und lernt nicht nur (einmal mehr) einiges über Manns homoerotische Disposition. Die diesmal ganz auf die einzelnen Werke zugeschnittene Wissensvermittlung samt Anhang besitzt laut Rezensentin klar literaturwissenschaftliches Format und Autorität.
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