Henryk M. Broder widmet sich in seiner neuen Streitschrift der europäischen Reaktion auf die Herausforderungen des Islamismus und gelangt dabei zur Einsicht: Wie die Appeasement-Politik gegenüber Hitler die aggressive Haltung der Nazis nur befördert hat, so laufen die Europäer mit ihrer Politik der Beschwichtigung heute Gefahr, die Transformation Europas zu einem islamischen Kontinent zu beschleunigen.
Henryk M. Broders polemisches Manifest kommt beim Rezensenten Daniel Bax nicht gut weg. Der Rezensent nennt das Buch "hysterisch" und wirft Broder nicht nur vor, genauso einseitig und blind zu argumentieren wie die von ihm kritisierten "islamistischen Scharfmacher", sondern auch zu dem Schluss zu kommen, der Islam sei an allem Übel schuld. Mitunter glaubt der Rezensent sogar, unter der amüsanten und unterhaltsamen Schreibe die "eisige Schärfe eines Glaubenskriegers" zu entdecken, weshalb er das Buch zu einer "humoristisch verbrämten Hasspredigt" erklärt. Broders Entlarvung der von Europa im Umgang mit der islamischen Gemeinschaft betriebenen "Appeasement"-Politik hält der Rezensent für fragwürdig - nicht nur aufgrund des Appeasement-Begriffes und seiner Verortung in der NS-Zeit - und bestreitet, dass der Westen "kapituliere". Schließlich empfiehlt der Rezensent dem Autor, von der zugegebenermaßen "alarmistischen Berichterstattung" der Presse Abstand zu nehmen, und ein bisschen frische Luft in Kreuzberg zu schnuppern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2006
Henryk M. Broder zieht mit seinem jüngsten Buch gegen die von ihm diagnostizierte Beschwichtigungshaltung des Westens gegenüber der islamischen Welt zu Felde und tut dies mit gewohnt spitzer Feder und wunderbar geistvoll, stellt Ulrike Ackerman anerkennend fest. Broder wirft dem Westen vor, sich durch Kompensierung der wachsenden Angst in "Verharmlosung und Beschönigung" des Islamismus zu üben, was seiner Ansicht nach einer Kapitulation vor dem Terror gleichkommt, so Ackermann zustimmend. Sie sieht in seinem "erfrischend" polemischen Essay einen Appell zu einer Haltungsänderung, dem sie sich nur anschließen kann.
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