Henry Fielding

Das Journal einer Reise nach Lissabon

Wiborada Verlag, Schellenberg (Liechtenstein) 2000
ISBN 9783909151028
Gebunden, 192 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Gerlinde Völker.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2001

Henry Fieldings Reise nach Lissabon ist seine letzte gewesen. Todkrank fuhr er nach Portugal, in der Hoffnung, dort zu genesen. Dazu kam es nicht, er starb 1754, wenige Monate nach seiner Ankunft in Lissabon. 1755 wurde das Reisejournal zum ersten Mal veröffentlicht, zuletzt, vor der vorliegenden Ausgabe, 1965 bei Hanser in einer Übersetzung von Paul Baudisch, berichtet Hansjörg Graf. Das Journal hat den Rezensenten zutiefst beeindruckt. Er hält es für ein literarisches Testament, in dem der Schriftsteller an die Erzähltechnik seiner Romane - Prologe, Exkurse und Vergleiche sowie eine "Kunst der Kontraste" - anknüpfe. Für Graf ist eins sicher: Das Journal ist für ihn nicht nur ein Kommentar zu Grundfragen des politischen Denkens, zur Ausübung von Macht, Anarchie und Absolutismus, sondern auch ein Text, in dem Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung nicht zu kurz kommen. Die neue Ausgabe in der Übersetzung von Gerlinde Völker findet er gerade im Kontrast zur Übersetzung von Paul Baudisch interessant. Jener hat sich nach Meinung des Rezensenten mehr an den Geist als an die Buchstaben gehalten, während Völker um eine Werktreue bemüht sei, die Graf mitunter Schwierigkeiten in der Lesbarkeit bereitet hat. Immerhin, so Graf, spiegele Völkers Übersetzung den Zustand eines Menschen wider, der angesichts seiner schweren Krankheit manchmal und besonders gegen Ende eine umständliche Ausdrucksweise gebrauchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2000

Kurt Wölfel ist der Ansicht, dass dieses Buch, das Fielding kurz vor seinem Tode geschrieben hat, durchaus noch den großen Schriftsteller erkennen lässt. Doch scheint der Rezensent den Leser vor allzu großen Erwartungen bewahren zu wollen. Fielding war verbittert, erklärt der Wölfel. Die Schiffsreise war eine Quälerei für Fielding, der seinen Groll über Schiffspersonal, Bootsleute oder Wirte ungehemmt zu Papier gebracht hat. Von seiner früheren "Bonhommie" ist nicht mehr viel geblieben, findet Wölfel. Gleichzeitig bescheinigt der Rezensent auch diesen Schilderungen eine "sinnliche Dichte". Über Portugal selbst jedoch erfahre man nichts. Das Journal endet mit der Schiffsreise. Bedauerlich findet Wölfel, dass von der "historischen Eigentümlichkeit" in der neuen Übersetzung von Gerlinde Völker nicht viel übrig geblieben sei. Aber immerhin gefällt ihm das von ihr geschriebene Nachwort. Und auch die luxuriöse Aufmachung weiß der Rezensent sehr zu schätzen.
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