Henric L. Wuermeling

Doppelspiel

Adam von Trott zu Solz im Widerstand gegen Hitler
Cover: Doppelspiel
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421058225
Gebunden, 237 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Adam von Trott zu Solz war eine der Schlüsselfiguren im Widerstand gegen Hitler. Er knüpfte das Netz zwischen Stauffenberg und dem Kreisauer Kreis, spann die Fäden bis in die alliierten Hauptstädte, hatte Kontakte bis in höchste britische und us-amerikanische Regierungskreise. Innenpolitisch suchte von Trott den Schulterschluss mit konservativen, christlichen, gewerkschaftlichen und kommunistischen Widerstandsgruppen - eine Haltung, mit der in Zeiten des Kalten Krieges beide deutschen Staaten nur schwer umgehen konnten. Ohne Kenntnis von Person und Haltung Adam von Trotts ist jedoch keine Würdigung des Widerstandes möglich. Henric L. Wuermeling legt nun die erste deutsche Biografie dieses zu Unrecht wenig beachteten Widerstandskämpfers vor, die auf Recherche in Geheimdienstarchiven und ausführlichen Gesprächen mit Überlebenden basiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2005

Der Widerstand gegen Hitler von innerhalb der Institutionen des nationalsozialistischen Staates befand sich, schreibt Alfred Cattani, in folgendem Dilemma: Während das Regime gnadenlos mit seinen Gegnern verfuhr, zweifelten die Alliierten an den Absichten der Verschwörer. Jemand wie Adam von Trott, ein in England ausgebildeter, weltoffener Jurist und Diplomat, an dessen Beispiel der Autor Henric L. Wuermeling diese Position zwischen den Fronten ausleuchtet, war zu einem Doppelspiel gezwungen, das nach Ansicht des Rezensenten die Integrität seines Widerstandes jedoch nicht in Frage stellt. In Amerika galt Trott als "Hitlers Meisterspion" - eine "Fehlbeurteilung" meint Cattani und lobt Wuermeling dafür, das Leben und die Persönlichkeit einer "Schlüsselfigur des Widerstands" erhellt zu haben. "So ist eine packende Biografie entstanden, die Adam von Trott der Vergessenheit entreißen sollte, in die er in Deutschland geraten ist."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2004

Insgesamt gelungen findet Karina Urbach dieses Buch über Adam von Trott zu Solz, das der britische Journalist Henric L. Wuermeling nun zum 20. Juli vorgelegt hat. Trotts Rolle im Widerstand gegen Hitler habe immer wieder für Missverständnisse gesorgt, zumal seine überlebensnotwendige Tarnung - nach innen als überzeugtes NSDAP-Mitglied im Auswärtigen Amt, nach außen hin als Kurier des Widerstands - lange nicht erkannt worden sei, berichtet die Rezensentin. Zwar erfahre man in Wuermelings Buch nicht wirklich Neues über Trotts Leben. Das Archivmaterial sei bekannt, Zeitzeugen wie Trotts Witwe Clarita hätten sich geäußert, die Geschichten wiederholten sich. Dafür aber lobt Urbach das Buch als "gut geschrieben". Sie sieht darin freilich auch keine "historisch kritische Auseinandersetzung mit Trott", sondern eher eine "erzählende Darstellung". Kritisch erwähnt sie in diesem Zusammenhang, dass der Autor häufig kommentarlos Briefe und Memoranden zitiere und dabei gelegentlich die "Grenze zur Verehrung für seinen Protagonisten" überschreite.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2004

Henric L. Wuermelings "Doppelspiel", eine "flüssig geschriebene" Biografie von Adam von Trott zu Solz zeigt sehr gut, wie Rezesent Jürgen Zarusky findet, dass der deutsche Widerstand gegen Hitler zwar "von starken moralischen Impulsen getragen" worden sei, "aber mit moralischen Kategorien allein" nicht verstanden werden kann. Der langjährige Redakteur des Bayerischen Fernsehens, der für sein Dokudrama über Trott zu Solz den Bayerischen Filmpreis erhalten hat, hat mit "Doppelspiel" denn auch einen guten Titel gewählt, "denn eben dies war tatsächlich Trotts Rolle im Widerstand", erklärt Zarusky. So habe Trott zu Stolz bei seinem Versuch, Deutschlands westliche Kriegsgegner als Verbündete für den Widerstand zu werben, "bei vielen seiner hochrangigen Gesprächspartner" Zweifel darüber offen gelassen, "in wessen Auftrag er nun wirklich unterwegs war", und er habe auch taktische Fehler begangen - etwa indem er in England nach dem deutschen Einmarsch in der Tschechoslowakei "nur bei Anhängern der endgültig gescheiterten Appeasement-Politik vorsprach".
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