Henri Thomas

Der Meineid

Roman
Cover: Der Meineid
Klever Verlag, Wien 2012
ISBN 9783902665539
Gebunden, 191 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Leopold Federmair. Mit einem Nachwort von Wolfgang Hermann. Der Roman aus dem Jahre 1954 erzählt die Liebesgeschichte zwischen Judith Samson, einer selbstbewussten jungen Amerikanerin, und Stéphane Chalier, einem geheimnisvollen Belgier, der sein Land, seine Frau, seine Kinder verlassen hat, um sich in den USA durchzuschlagen, mit Gelegenheitsjobs und später als Lehrer an einer Universität. Bei seiner Heirat verschweigt er seine Vorgeschichte, die anfangs nur Judith bekannt ist ... Hinter Chalier verbirgt sich der belgisch-amerikanische Literaturtheoretiker Paul de Man, den Henri Thomas während seines Amerika-Aufenthalts anfang der sechziger Jahre kennenlernte. Jacques Derrida schrieb über den Roman einen seiner letzten Essays mit dem Titel "Der Meineid, vielleicht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2013

Seit dem vergangenen Herbst kann man Henri Thomas' bereits 1964 erschienenen Roman "Der Meineid" auch endlich auf Deutsch lesen, freut sich Rezensent Jürgen Thaler. Zum einen empfiehlt der Kritiker die Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches im Hinblick auf die lesenswerte Geschichte um einen Mann, der Frau und Kinder in Belgien zurücklässt, um in den USA eine Studie über Hölderlin zu beginnen, unter der Angabe, unverheiratet zu sein, erneut heiratet und sich bald nicht nur vor seiner ersten Frau, sondern auch vor den Behörden wegen des geleisteten Meineids verantworten muss. Zum anderen betrachtet der Rezensent den Roman als aufschlussreiches Dokument über den Literaturwissenschaftler Paul de Man, den Henri Thomas an der Brandeis University kennenlernte und über den zahlreiche Erinnerungen in den Roman einflossen. Thaler erscheint dieses "elegant" erzählte Buch geradezu als Schlüsselroman zu Paul de Man und seiner Methode, sich von den eigenen ideologischen Sünden freizusprechen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2012

Rezensent Thomas Laux freut sich, dass pünktlich zu Henri Thomas' hundertstem Geburtstag einmal mehr der Versuch gewagt wird, dem deutschsprachigen Publikum das Werk des französischen Schriftstellers schmackhaft zu machen. Denn nach der Lektüre des im Jahre 1964 erschienenen und nun von Leopold Federmair übersetzten Romans "Der Meineid" stellt der Kritiker erneut fest: Diesem Autor gelingt es meisterhaft, harmlos und zugleich rätselhaft zu erzählen und dem Leser auf diese Weise immer neue Interpretationsspielräume zu eröffnen. Gebannt folgt Laux der Geschichte um den eigensinnigen Dozenten Stephane Chalier, der eines Tages Frau und Kinder in Belgien verlässt, um im amerikanischen Iowa eine neue Familie zu gründen. Nachdem sich Chalier, der seine Ehe in Belgien verschwiegen hatte, vor den amerikanischen Behörden wegen Meineids verantworten muss, kommt es zu einem dramatischen Aufeinandertreffen der beiden Familien, dessen Auflösung sich der Autor aber entzieht, berichtet der Rezensent. Vielmehr gehe es Thomas um die Schilderung seelischer Konflikte und atmosphärischer Dichte, so Laux, der dieses Buch unbedingt empfehlen kann.
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