"In Sepps Welt" sind Gedichte dazu da, demontiert und remontiert zu werden. Trakl-, Rilke-, George-Verse machen Platz für Ersatzgedichte, in denen sie unüberhörbar im Untergrund weitertuten. Mal werden Versuchssätze zur Poesie des Ungrammatischen ausprobiert, mal Schnupperausflüge zum Haikupol unternommen. Mit elfsilbigen Elftonversen wagt sich der Dichter für nichts aufs eis, und das psychott hat Glück oder Pech, indem es durch die schaffott falln. Urs Allemann und sein entfernter thölgscher Namensvetter Örs Allgmann präsentieren und streiten sich brieflich über idchtöne (Dichtung) aus Thölg - Gedichte in jenem vokalarmen fernnördlichen Inselidiom, in dem etwa ein Weihnachtslied lgdsg rdgsglt igr schngg beginnt. Sogar ein poetologisches Statement zur Metapher wird abgegeben, demzufolge das Gedicht AAL und BAAL und YAMASHITA wie auch, wahlweise, ZABAIONE oder eine ZYTOTOXIZITÄT ist. Happy End: Onkel Harry steigt, als er 97 wird, aus seinem Doppelsarg und liest eine Zeile Celan.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2013
Mitunter kommt sich Samuel Moser beim Lesen von Urs Allemanns Gedichten wie im Irrenhaus vor. Macht nichts, meint Moser. Denn bei aller Verfremdung vorgefundenen Textmaterials, die Quellen sind immer schön nachgewiesen vom Autor, erkennt der Rezensent doch die Transformation, heißt, das Gedicht, als Tradition und Handwerk und deren Infragestellung durch den Autor. Und versteht er mal wenig bei Allemanns Ersetzungen, Vertauschungen, Reduzierungen und Übersetzungen, so versteht Moser doch immerhin, dass er genau das verstehen soll beim Lesen.
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