Wie lässt sich die Teilhabe aller Menschen an gesellschaftlichen Prozessen gerechter gestalten? Dieser Frage geht die hier vorliegende Studie umgekehrt nach: Sie fragt nach der Lebenssituation von Menschen, die von Armut und Ausgrenzung betroffen sind. Sie erforscht und systematisiert nicht nur Aspekte ihres Leids, sondern ebenso ihre Ressourcen, Perspektiven und Träume - und ihre Wünsche nach Teilhabe. Am Beispiel von Menschen, die sich in Hamburg-Wilhelmsburg zu Gruppendiskussionen getroffen haben, werden Bruchstellen des Teilhabe-Ideals deutlich. Die Strategien, die den Betroffenen helfen, ihre Situation zu bewältigen, verstärken zugleich die Ausgrenzung. Die Frage nach der gerechten Teilhabe, nach Hindernissen und effektiver Hilfe stellt sich hier neu - ein abschließender Teil des Buches tritt hierzu in Dialog mit Theologie, Diakonie, Sozialpolitik, Bildungs- und Sozialarbeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2008
Richtig froh zeigt sich der Rezensent angesichts einer Studie, die versucht, Verständnis zu schaffen, indem sie Betroffene zu Wort kommen lässt. Aus dieser Perspektive nämlich durfte Johann Hinrich Claussen das Thema Armut noch nicht betrachten. Die Irritation, die das mit sich bringt, empfindet er als heilsam. Konkret begegnet ihm in den von Claudia Schulz dokumentierten Gruppendiskussionen mit Bürgern aus dem Hamburger Wilhelmsburg ein "Mantra der Hoffnungslosigkeit". Claussen muss erkennen, wie die von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen die Ausweglosigkeit ihrer Situation durchaus auch selbst befördern. Dass die Studie diesbezüglich keinesfalls Klischees bedienen, sondern auf die psychischen Folgen von Ausgrenzung hinweisen möchte, steht für Gnam außer Frage.
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