Henning Mankell

Vor dem Frost

Roman
Cover: Vor dem Frost
Zsolnay Verlag, Wien 2003
ISBN 9783552052192
Gebunden, 541 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt, und sechs brennende Schwäne sind über dem Marebo-See gesehen worden. Frauen verschwinden, eine Amerikanerin wird in der Kirche erdrosselt,und ein Lastwagen voll Dynamit lässt den Dom von Lund in Flammen aufgehen. Linda ist Polizeianwärterin in Ystad und darf Kurt Wallander bei seinen Ermittlungen zunächst nur als Tochter begleiten. Dann aber wird sie persönlich in den Fall hineingezogen...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.09.2003

Voll und ganz zufrieden ist der Rezensent Christoph Haas mit diesem neuen Krimi des schwedischer Erfolgsautors Henning Mankell. Dabei gefallen ihm besonders die "interessanten Nebenfiguren", aber auch dass der Autor das Risiko eingeht, neue Ermittler einzuführen, in diesem Fall Wallanders Tochter, anstatt seine Erfolgsmasche zu Tode zu reiten. Die Konflikte, die aus der Vater-Tochter-Konstellation hervorgehen, findet Haas zwar nicht besonders originell, dafür aber sehr lesenswert geschildert. Selbst das heikle Unterfangen, in seiner Geschichte noch eine Aussage zum 11. September - nämlich dass auch im Westen Fundamentalisten leben - unterzubringen, gelingt ihm, weil er "den Leser auf dem Umweg über die Handlung [seine Botschaft] erschließen lässt".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2003

Was dem Rezensenten (Kürzel akd.) vom jüngsten Roman Henning Mankells bleibt, ist in erster Linie "ein enttäuschender Eindruck". Erstmals ermittelt Kommissar Wallander gemeinsam mit Tochter Linda - deren Porträt aber bleibe, nach "vielversprechendem" Beginn, allzu blass. Zwar fehle es dem Roman nicht an Spannung, angenehm findet der Rezensent auch die "glasklar-geschliffene" Sprache - thematisch aber verhebt sich Mankell, der den Fall vor dem Hintergrund des "gewalttätigen religiösen Fanatismus" spielen lässt. Geradezu "anmaßend" erscheine es dabei, die Nähe zu den Geschehnissen des 11. September zu suchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2003

Kommissar Kurt Wallander, Henning Mankells Serienheld, bekommt in dessen neunten Krimi "Vor dem Frost" Verstärkung aus der eigenen Familie, berichtet Rezensent Hannes Hintermeier: Wallanders Tochter ist nach einigem hin und her in die Fußstapfen des Vaters getreten. Durchaus im unkonventionellen Stil ihres Vaters, aber nicht in Absprache mit diesem, dominiere sie als Hauptfigur weite Strecken des Romans und löse Wallander weitgehend ab, hält Hintermeier fest. Er versichert allerdings, dass Wallander am Ende doch wieder die Fäden in die Hand nimmt, wenn es darum geht, den Fall zu lösen. Der dreht sich um einen gewissen Erik Westin, angelehnt an den historischen Sektenführer Jim Jones, der mit seiner zum Opfertod bereiten Sekte und einer Menge Dynamit die Welt auf die Wiederkehr des christlichen Rächergottes vorbereiten will. Ein "unangenehmer Eindruck" stellt sich nach Ansicht Hintermeiers bei Mankell immer dann ein, wenn er meine, "schwerste Geschütze" auffahren und eine extra Lage "Untergangsfarbe" auftragen zu müssen. Hintermeier sieht die Stärke Henning Mankells nämlich vor allem in der Beschreibung von Atmosphäre, nicht "in der Munitionskammer oder in der Metaphysik." Entsprechende Passagen hören sich für ihn dann auch "papieren" an.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.07.2003

Kolja Mensing nimmt diesen neuen Wallander-Krimi des schwedischen Erfolgsautors Henning Mankell recht wohlwollend auf - obwohl er bisher kein allzu großer Fan gewesen zu sein scheint. Gestört hat ihn vor allem das "gesellschaftskritische Hintergrundrauschen", auf das der Autor bei diesem neunten Wallander-Band, bei dem die Tochter erstmals die tragende Rolle übernimmt, zu Mensings Erleichterung verzichtet. Der Rezensent sieht einige, ihn hoffnungsfroh stimmenden Anzeichen dafür, dass Wallander "einen meditativen Rückzug" aus seiner sozialpädagogisch geprägten Weltsicht antritt. Abgesehen davon wird der neue Wallander nach Mensings Meinung durchaus der in ihn gesetzten Erwartungen gerecht: Der Krimi-Plot ist spannend, "Mankell weiß, wie er seine Leser durch die Seiten treiben kann".