Henning Mankell

Die Brandmauer

Roman
Zsolnay Verlag, Wien 2001
ISBN 9783552051683
Gebunden, 576 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Hacker haben es auf die Datennetze der Weltbank abgesehen, die Weltwirtschaft soll ins Chaos gestürzt werden: Kommissar Wallander steht vor einer neuen Dimension des Verbrechens, einem Computerverbrechen von internationalem Format. Doch obwohl er mehr als einmal an seine Grenzen stößt und auch sein Liebesleben in die Turbulenzen der Ermittlung verwickelt wird, bringt er diesen Fall zu einem erfolgreichen Abschluß...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2001

Wenig erfährt man in Martin Meyers Rezension über das neue Buch von Henning Mankell, und das ist keineswegs ein Nachteil, nehmen doch Rezensenten durch die Preisgabe vieler inhaltlicher Detail leider häufig schon im Vorfeld die Vorfreude auf die Lektüre. Meyer wirft hingegen einen Blick auf alle bisher erschienenen Mankell-Romane und entdeckt auf diese Weise interessante Aspekte, die den Autor als weit mehr als einen gewöhnlichen Kriminalschriftsteller herausstellen. Er sieht in Mankells Werk metaphysische und philosophische Aspekte. Der Autor entlarve die Welt des Verbrechens durch die Art, wie er sie in aller Grausamkeit darstelle, als Reaktion von zugegeben kranken und wahnsinnigen Menschen auf eine "zerfahrene, verletzbare, durch tausend Abhängigkeiten unüberblickbare" Lebenswirklichkeit. Selbst Kommissar Wallander, mit dem nötigen Scharfsinn ausgestattet, um die perfidesten Fälle aufzuklären, könne diese Welt nicht wirklich verstehen, erklärt Meyer. Somit habe Mankells Krimiwelt existentialistische Züge, interpretiert Meyer. Für ihn hat die Figur Wallanders "literarisches Format", die "in ihrer zweifelnden Existenz, in ihrem Unvermögen zu Bindung und Liebe, in ihrem seltsam verschobenen Pflichtbewusstsein auch die Syntax einer ortlos gewordenen Gesellschaft" zu verkörpern scheint. Wenn "Wallander-Enthusiasten" den neuen Roman nicht als den besten einstufen, so vielleicht, könnte man als Fazit aus Meyers Ausführungen ziehen, weil sie die Tiefe der Romanwelt und ihrer Hauptfigur noch nicht durchschaut haben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.11.2001

"Warum liest man so etwas" fragt Dirk Knipphals zu Beginn seiner Besprechung, und gibt einige Zeilen später die Antwort: Weil sich beim Lesen ein "behagliches Schmökergefühl" einstellt. Der Leser wolle aus einer "bequemen Halbdistanz" zuschauen, wie der beschriebene Kommissar Kurt Wallander "an sich und der Welt" leidet, mutmaßt Knipphals. Der Autor lasse die Hauptperson dann auch Sätze sagen wie "Ich sehe eine Gesellschaft, die um mich her zerfällt". Im vorliegenden Roman scheint das Weltfinanzsystem zu zerfallen - es wird von Computerviren bedroht. Henning Mankell hat es mit seiner "Alles-wird-immer-schlimmer-Gesellschaftskritik" diesmal auf die Globalisierung abgesehen, schreibt der Rezensent. Dabei dürfe der Leser keine überraschenden Dialoge oder raffinierte Plots erwarten. Wenigstens "Benutzerfreundlichkeit" spricht der Rezensent dem Roman zu: Der Leser überblicke das Geschehen immer besser als die Figuren. Insgesamt wohl ein typischer Mankell.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.10.2001

Das Mankell-Phänomen. Tobias Gohlis hat herausgefunden, was das ist, was diesen Autor so faszinierend macht. Innovation ist es nicht, Humor, von dem Mankell so viel besitzt "wie ein Stück Knäckebrot," kann es nicht sein, und auch Figurenzeichnung ist Mankells Sache nicht. Vielmehr scheint es a) mit der Spannung zu tun zu haben, die den Leser, wie Gohlis schreibt, gar nicht bemerken lässt, was alles fehlt, und b) mit der Suggestionskraft, der Geschichte. Letztere nämlich macht, dass der Leser sich mit Kommissar Wallander, der Hauptfigur, ohne weiteres identifiziert. "Wir können gar nicht anders, als Wallander zu mögen."