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Helmut Zander

Anthroposophie in Deutschland

Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945. 2 Bände
Cover: Anthroposophie in Deutschland
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2007
ISBN 9783525554524
Gebunden, 1884 Seiten, 246,00 EUR

Klappentext

Waldorfschulen, Demeter-Tomaten, Weleda-Heilsalbe, dm-Drogeriemärkte - was verbindet sie mit Otto Schily und Christian Morgenstern? Die Anthroposophie Rudolf Steiners. Er schuf mit der Anthroposophischen Gesellschaft zwischen 1900 und 1925 die wichtigste esoterische Gemeinschaft der europäischen Geschichte. Helmut Zander legt die erste Geschichte der Anthroposophie und des theosophischen Milieus zwischen 1884 und 1945 vor. Untersucht werden Steiners theosophische Weltanschauungsproduktion zwischen 1900 und 1914, der anthroposophische Tanz ("Eurythmie") und die anthroposophische Architektur. Die historische Aufarbeitung der seit 1918 entstandenen Praxisfelder in Gesellschaftstheorie, Pädagogik, Medizin und Landwirtschaft führt schließlich die Geschichte an die aktuellen gesellschaftlichen Probleme heran.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2008

Gegen seine Widersacher möchte Patrick Bahners den Autor gerne in Schutz nehmen. Dass Helmut Zanders kulturhistorische Studie zur Genese der Anthroposophie als Habilitationsschrift von gleich drei Fakultäten abgelehnt wurde, kontert er mit Respekt. Bahners lobt Zanders von Selbstkritik geprägte religionswissenschaftliche Kompetenz, die die Textkritik am Werk Rudolf Steiners nicht zur "Priestertrugsthese" stilisiert. Zanders Verständnis von Theo- und Anthroposophie als Antwort auf den Glaubwürdigkeitsverlust des Spiritismus und Teil einer kontinuierlichen Denkform hält Bahners für besonders originell.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2007

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Bernhard Lang von Helmut Zanders zweibändiger Kulturgeschichte der Anthroposophie. Die Schilderung der Entstehung dieser von Rudolf Steiner begründeten Weltanschauung findet er überaus aufschlussreich. Erhellend scheint ihm auch die Darstellung des zeit- und kulturgeschichtlichen Kontexts, aus dem sich die anthroposophische Bewegung herausgebildet hat. Deutlich wird für ihn zudem die Faszination, die von ihr damals ausging. Besonders lobt Lang den eleganten und von jeder Polemik freien Stil des Autors. Allen, die an der Anthroposophie und den Kontroversen um Steiners geistiges Erbe interessiert sind, kann er dieses Werk nur empfehlen, bietet es doch "ebenso umfassende wie verlässliche Information".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.10.2007

Lucian Hölscher kann vor diesem zweibändigen Mammutwerk der Geschichte der Anthroposophie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg, die Helmut Zander vorgelegt hat,  den Hut ziehen. Die von Rudolf Steiner begründete Weltanschauung sei trotz großer Verbreitung ihrer Institutionen und einer beträchtlichen Anhängerzahl bemerkenswerter Weise in ihren Lehren und okkulten Wurzeln kaum bekannt, weshalb die historische Studie umso nachdrücklicher vom Rezensenten begrüßt wird. Er bescheinigt dem Autor, die vielen Themen und Aspekte der Anthroposophie und ihres Gründers akribisch darzustellen und geschickt zusammenzufassen. Auch die problematischen Seiten der Weltanschauung lässt der Autor nicht unbesprochen, er geht dem Vorwurf des Rassismus Steiners oder dessen zweifelhaftem "Demokratieverständnis" nach, so Hölscher anerkennend. Weniger angetan ist er von Zanders Weigerung, sich gründlich mit der Steinerschen Lehre auseinanderzusetzen und auch eigene Einschätzungen und Deutungen zu bieten. Hier hält sich der Historiker für den Geschmack des Rezensenten eindeutig zu stark zurück, was ihn umso mehr stört, als das er hinter der historischen Bestandsaufnahme dennoch so etwas wie Kritik an der Anthroposophie spürt. Als historische Untersuchung aber gebührt dem Werk höchstes Lob, bekräftigt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Sehr gute Noten vergibt Rezensent Dorion Weickmann an diese knapp 3000- Seiten-Studie zum Werk Rudolf Steiners, die aus seiner Sicht eine gewaltige Forschungslücke füllt, deren Umfang auch Steiners Dornacher Nachlassverwalter bislang nicht einmal annähernd vermessen hätten. Helmut Zander habe nicht nur Steiners Monumentalwerk systematisch zu kontextualisieren versucht und immanente Querverbindungen aufgezeigt, betont der Rezensent. Er habe auch die Entstehungsgeschichte von Steiners Denkgebäude rekonstruiert und seine Vernetzung mit anderen Denkern und Denkmodellen der Jahrhundertwende beleuchtet. Der Rezensent kommt allerdings bei seiner eigenen Steiner-Exegese gelegentlich zu anderen Ergebnissen als der Berliner Wissenschaftler. Etwa in der Frage, ob Steiner beispielsweise die Werke mancher Geistesheroen als Steinbruch missbraucht oder sich deren Ideenwelt angeeignet habe, um etwas ganz Neues daraus zu machen. Der Rezensent teilt wiederum Zanders Meinung, Steiner habe kein Rassist sein wollen, selbst wenn seine Äußerungen aus heutiger Sicht als rassistisch gelten müssten. Bedauerlich findet der Rezensent angesichts der sonstigen Verdienste dieser Studie allerdings, dass es Zander seinem Eindruck zufolge nicht gelungen sei, die aktuelle Waldorfpädagogik angemessen zu untersuchen.
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