Der Begriff des "kosmischen Christus" erfreut sich innerhalb wie außerhalb von Theologie und Kirche zunehmender Beliebtheit. Erstmals wird hier seine hundertjährige Geschichte theologisch aufgearbeitet und bewertet. Geprägt wurde die spannungsvolle Metapher ursprünglich extern - in der modernen Theosophie. Von daher spielte sie bei Rudolf Steiner eine zentrale Rolle, sodann in der "Christengemeinschaft" und in der neueren Esoterik. Theologisch wurde sie bei Teilhard de Chardin wichtig, später in der ökumenischen und religionstheologischen Diskussion. Jürgen Moltmann und Leonardo Boff haben den "kosmischen Christus" in ihre Christologien integriert. Werner Thiedes Arbeit untersucht verschiedene Kontexte und Typen dieses christologischen Begriffs.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2002
Dies ist eine Studie zur "Theologie des kosmischen Christus", zu ihrem Ort im lutherischen Lehrgebäude. Dem Thema zum Trotz ist dem Verfasser alle "Lust an der spekulativen Grenzüberschreitung" fremd. Thiede unternimmt eine Spurensuche: der Begriff des "kosmischen Christus" taucht erstmals bei Annie Besant, einer Schülerin der "Häretikerin" Madame Blavatsky, auf und zieht sich dann durch die frühen Schriften Rudolf Steiners, der sich von Besant zunehmend distanziert. Was der Verfasser aber nachweisen kann, meint der Rezensent Helmut Zander, ist, dass es sich bei Steiners behaupteter gedanklicher Autonomie um einen anthroposophischen Mythos handelt. Nicht in allen "Deutungen und historischen Zuordnungen" ist Zander der Meinung des Autors, verdienstvoll aber scheint ihm der Beleg des "Historismus" der Steinerschen Theorien allemal.
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