Der junge Goethe war ein ungestümer und unsteter Liebhaber: Verlassen und Verlassenwerden zeichnen sich als Lebensmuster ab. Seine Liebeserfahrungen entwickeln sich für Goethe zu Lebenserfahrungen, die er in Dichtung umsetzt. Besonders markant hierfür ist seine Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion, die ihn zu den Gedichten der "Sesenheimer Lieder" angeregt hat. In Frankfurt und Leipzig erlebt der junge Goethe das erste Scheitern von Liebesbeziehungen: Er wird verlassen und rettet sich in sein dichterisches Talent. Die Verquickung von Liebe und Dichtung setzt sich auch in Sesenheim fort. Durch Friederike inspiriert, verfasst er einige seiner schönsten Gedichte, darunter das gewaltige "Willkomm und Abschied". Es nahm den wirklichen Abschied vorweg. Der Abschied: wir wissen nicht, warum er kam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2014
Friedmar Apel is not amused angesichts von Helmut Koopmanns Versuch, Goethes Verhältnis zu Käthchen Schönkopf in Leipzig beziehungsweise zu Friederike Brion in Sesenheim zu beleuchten. Daran dass der Autor ein Kenner des Goetheschen Werkes ist, hat der Rezensent dabei gar keinen Zweifel, und bekommt auch Kostproben der Textexegese im Buch. Umso erschrockener ist Apel allerdings, wenn er mitansehen muss, wie sich der "Liebeschronist" Koopmann in allerlei Vermutungen und "verquasten" Suggestionen, ja peinlichem biografistischen Tratsch ergeht, um zu beweisen, was die für Goethe-Biografik typische Zitatcollage aus Texten Goethes nun mal nicht hergibt. Da wird das "Heidenröslein" als literarisches Bekenntnis für eine Vergewaltigung gedeutet und längst widerlegte Gerüchte (die Brion eine Dorfhure!) wieder aufgewärmt. Apel stöhnt, aber ganz und gar nicht lustvoll.
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