Helga Schubert

Die Woche danach

Ein Stundenbuch der Hoffnung
Cover: Die Woche danach
dtv, München 2026
ISBN 9783423285759
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Was geschieht, wenn der Mensch geht, den man über sechzig Jahre geliebt und über zehn Jahre gepflegt hat? Helga Schubert beschreibt den eigenen Zustand in der ersten Woche, der ersten Zeit nach dem Tod ihres Mannes, beobachtet sich selbst zwischen Traurigkeit und Erlösung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.10.2026

Ein "großes kleines Trauerbuch" ist für Rezensent Nico Bleutge Helga Schuberts Band über den Tod ihres Mannes. Wie schon in ihrem Buch "Der heutige Tag" geht es um die Demenzerkrankung ihres Mannes, hier setzt sie sich mit seinem Tod auseinander. In "wahrnehmungsgenauen" Sätzen beschreibt sie die Abläufe nach der Bestattung, gleichzeitig fließt durch die Begegnung mit dem Tod auch "magisches Denken" in den Text mit ein, lesen wir. Der Ehering des Verstorbenen bekommt für sie Zauberkräfte. Klug verflicht die Autorin Gegenwart, Erinnerung und Reflexion auf das Erlebte, so Bleutge, dabei gibt es auch einen Umschwung in ihrem Denken, wenn ihr auffällt, dass die Ehe nicht immer glücklich war. Der Kritiker stört sich zu Beginn etwas am großen Schriftbild des Bandes, merkt dann aber, dass es hier darum geht, das "Pfingstwunderliche" zwischen Trauer und Erlösung zu betonen. Eine kunstvolle Suche nach sich selbst nach dem Verlust eines geliebten Menschen, resümiert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.10.2026

Sechzig Jahre hat Helga Schubert mit ihrem Mann verbracht, weiß Rezensentin Nina Müller - viele Jahre als dessen Geliebte, Partnerin, Freundin, die letzten Jahre auch und vor allem als Pflegerin. Zeit, um sich zu verabschieden vom an Demenz erkrankten "Derden", wie sie ihn in ihrem Buch nennt, hatte sie also bereits. "Die Woche danach" ist daher auch kein Buch des Abschieds, lesen wir, sondern ein Buch der Neu- und Selbstbestimmung. Langsam, sorgfältig, bewusst wählt diese Autorin Wort für Wort, um damit den Raum zu erkunden, der sich ihr nun eröffnet, ein Raum, in dem vieles möglich wird, was jahrelang undenkbar war. Der Moment, in dem sie die Verantwortung abgibt, aus der Fürsorge austritt, ist auch der Moment, in dem etwa die Selbstsorge wieder möglich wird, erklärt Müller. Im Laufe dieses schreibenden Erkundungsprozesses brechen jedoch auch Wut, Verletzung und bittere Erkenntnisse in diesen Raum ein. Wie Schubert auch solchen Gefühlen und Wahrheiten Platz verschafft neben der Liebe und Wertschätzung, ist klug und "lehrreich", findet Müller. Die Anerkennung der Komplexität des Liebesverhältnisses ermöglicht es ihr wahrscheinlich erst, jene Verschiebung vorzunehmen, dank derer sie am Ende wieder als "Geliebte" steht, als Individuum, so die Rezensentin.

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