Ein Sonntag am See. Eine Frau sitzt am Ufer und hält ihre beiden kleinen Kinder im Arm. Was eine Wochenend-Idylle sein sollte, kippt ins Gegenteil. Das Segelboot ist gekentert, der Vater wird vermisst. In diesem harmlosen Badesee kann er doch unmöglich ertrunken sein. Sicher taucht er wieder auf und wird über die Angst seiner Frau lächeln. Während der Rettungshubschrauber über ihr kreist, erinnert sich die Erzählerin an ihr Leben mit diesem Mann, ihrem Gegenpart in einer bewegten Ehe. Maike Wetzel schreibt in "Schwebende Brücken" über das Weitermachen, nachdem nichts mehr ist wie zuvor. Und darüber, wo wir Trost finden - in unseren Erinnerungen und in der Literatur.
Beeindruckt ist Rezensentin Meike Feßmann von Maike Wetzels Buch, das Trauerbewältigung und noch so viel mehr ist: Der Mann der Protagonistin, Architekt, kentert mit seinem Boot auf dem Oberuckersee, an dem die Familie mit den beiden Kindern am Wochenende der städtischen Enge Berlins entflieht. Keine Schreie, nur die "karierte Picknickdecke", auf der die Erzählerin sitzt, gibt es in dem Moment seines Todes, eine präzise Beschreibung, wie sie für dieses Buch und seine Prosa typisch ist, die hinsieht, die Dinge benennt in einer starken Unmittelbarkeit, lobt Feßmann. Das gilt nicht nur für den Tod des Mannes, der autobiografisch verortbar ist, wie angedeutet wird, sondern auch für die Schwierigkeiten der Beziehung zwischen den Eheleuten, die ebenfalls erzählt werden. Ein mutiges Zeugnis des Trauerns und der Sprachkunst, resümiert die Kritikerin.
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