Lucie Faulerova

Ich habe den Tod gerettet

Roman
Cover: Ich habe den Tod gerettet
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783627003524
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Julia Miesenböck. Im Zugabteil sitzt eine junge Frau, das Ziel ihrer Reise ist unbekannt. Die Stirn gegen die Scheibe gelehnt, legen sich Maries Erinnerungen an ihre Familie über das Bild der vorbeiziehenden Landschaft. Fröhlichen Momente mischen sich mit quälenden Schuldgefühlen; Marie hegt eine seltsame Faszination für Statistiken, die auch mit der Beziehung zu ihrer geliebten Schwester zu tun hat, die unfreiwillig beendet wurde. Marie will ihren frühen Tod ausblenden, ihre Erinnerungen aber, die sich nach und nach kunstvoll zusammensetzten, zeigen das Bild einer an der Gewalt der Umstände zerbrochenen Familie. Doch auf ihrer Reise versteht Marie, dass sie eine Zukunft hat.Was bleibt, wenn eine Schwester geht? 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2026

Rezensentin Carola Ebeling bewundert, wie Lucie Faulerová für einen "vernichtenden Schmerz" eine zarte Form gefunden hat. Formuliert aus der flottierenden Gedanken- und Erinnerungswelt von Marie, die in einem ziellosen Zug sitzt, kreist die assoziativ springende, unchronologische Erzählung vor allem um die Beziehung zur krebskranken Schwester, die dann gar nicht an Krebs, sondern durch Suizid gestorben ist, verrät die Kritikerin. Wie es die tschechische Autorin dabei schafft, in der montageartigen Anordnung "scharfe Schnitte" mit fragilen Vorausdeutungen und aufeinander aufbauenden, minimalistischen Figurencharakterisierungen zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen, findet die Kritikerin erstaunlich. Ebenso bewundert sie die "Balance" zwischen existenzieller Schwere, Marie scheint regelrecht besessen vom Thema Suizid, und einem doch immer wieder aufkeimenden Optimismus und auch Witz: besonders in dem erinnerten Umgang der Schwestern miteinander stößt Ebeling sogar manchmal auf "derben Humor". Eine berührende und formal anspruchsvolle Lektüre, lobt sie.

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