Heinz Peter Schwerfel

Kunstskandale

Vom Tabu zum Meisterwerk
Cover: Kunstskandale
DuMont Verlag, Köln 2000
ISBN 9783770152773
Gebunden, 200 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

Mit 130 überwiegend farbigen Abbildungen. Das Porträt einer Kindermörderin als Höhepunkt der Ausstellung "Sensation" in der ehrwürdigen Royal Academy of Arts in London, die exhibitionistischen Eskapaden von Jeff Koons und Cicciolina, Blut in der Druckfarbe einer Sonderausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung von Jenny Holzer, der andauernde Streit um Geldverschwendung für die monumentalen Installationen der Kunst im öffentlichen Raum - heute sind es die Klatschspalten und die Aufmacher der Titelseiten in Boulevardblättern, die von den neuesten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst berichten. Unsere Erinnerung an skandalöse Kunstwerke zu den Themen Sex, Politik, Konsum, Gesellschaft, öffentlicher Raum, Medien, kollektive Erinnerung bestimmen das Buch. Nicht die brave Chronologie der Ereignisse ist das Ergebnis, sondern eine Collage aus Bildern, Zeitungsberichten, aus Stills der Fernsehberichterstattung kombiniert mit dem erläuternden Haupttext. Ist dies die zeitgemäße Art der seriösen Kunstgeschichtsschreibung? Ein Buch, das selbst provokativ wirken soll.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.01.2001

Für Kolja Mensing ist dieser Band ein "echtes Serviceangebot". Die größten Kunstskandale der letzten Jahre werden hier samt ihren Verursachern vorgestellt. Und obwohl die meisten der Bilder dem Leser bereits vertraut sein dürften, so liegt der Wert des Bandes für Mensing vor allem darin, dass man sie heute mit einem gewissen zeitlichen Abstand anders betrachtet. Als Beispiel erwähnt er eine Sex-Szene zwischen Jeff Koons und Cicciolina, bei der für Mensing weniger das Pornografische von Bedeutung ist, als vielmehr das "Zeitkolorit der Epoche", was sich für ihn in den Frisuren und Dessous ausdrückt. Andere Bilder wiederum, wie die in den 70ern entstandenen politischen Werke von Immendorf oder Lüpertz, wirken auf den Rezensenten mittlerweile "genauso exotisch, fremd und schön wie die Gemälde des sozialistischen Realismus". Bedauerlich findet Mensing jedoch das Fehlen von Bildern von DDR Künstlern, die er selbst gerade deswegen besonders interessant findet, weil sie teilweise erst lange nach ihrer Herstellung für Skandale gesorgt hätten. Als Beispiel dafür nennt er Willi Sitte, der gerade seine Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg abgesagt hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2000

Gut unterhalten fühlen kann man sich nach Meinung des Rezensenten mit dem Kürzel "mn." von Heinz Peter Schwerfels "süffiger und anekdotenhafter" Abhandlung über Kunstskandale in jüngerer Zeit, obwohl dem Rezensenten Schwerfels "gewollte Subjektivität" missfällt. Ihm fehlt eine "wissenschaftliche, kunsthistorische Analyse oder klare Begrifflichkeiten" und so bleibe Schwerfel in seiner Beschäftigung mit der experimentellen, politischen Kunst der sechziger und siebziger Jahre meist an der Oberfläche der Provokation.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.08.2000

Gutgelaunt bespricht Verena Auffermann dieses "amüsante und aufschlussreiche Buch". Sie lobt den Autor für seine klaren Worte, seine "Skandalchronik", die aus dem Nähkörbchen plaudert und zwar ebenso indiskret wie manche Künstler, und so "Werk, Leben, Klatsch und Wirkung in der Partnerschaft von Kunst, Politik und Gesellschaft" zur Sprache bringt. Dabei analysiert der Autor weniger, schreibt sie, als dass er berichtet und "auf den Punkt bringt": von Hanson und Koons, von Robert Mapplethorpe und Carolee Schneemann, Otto Mühl, Baselitz, Vostell und Haacke, von amerikanischen und europäischen Entwicklungen, Thematisierung des Mülls, des Autos, des Körpers... `Kunstwerke erzählen nicht nur die Geschichte der Kunst, sondern auch die des Jahrhunderts`, zitiert sie den Autor und fügt ihrerseits kokett hinzu: "Damit sich alle ein Bild machen können."
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