Heinz Dieter Kittsteiner

Das Komma von SANS, SOUCI

Ein Forschungsbericht
Manutius Verlag, Heidelberg 2001
ISBN 9783934877085
Gebunden, 92 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Der Name des Schlosses Sanssouci in Potsdam findet sich am Schloss selbst - er ist aber auf eine etwas seltsame Weise geschrieben, nämlich mit einem Komma hinter dem Wort "Sans" und einem Punkt hinter "Souci". Vor allem über die Bedeutung des Kommas wird seit vielen Jahren gerätselt. Der Historiker H. D. Kittsteiner geht dem derzeitigen Stand der Forschung nach und präsentiert einen eigenen Lösungsvorschlag. Dabei verstrickt er sich in die Codierungen der geheimen Kanzlei- und Polizeischriften. Nebenbei erfährt man auch etwas über den Konflikt zwischen dem Kronprinzen Friedrich und seinem Vater Friedrich Wilhelm I., über die Hinrichtung Kattes und über den Glauben Friedrichs des Großen. Das Buch ist mit zahlreichen Abbildungen und Fußnoten ausgestattet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.03.2002

Ein ganzes Buch über ein bestimmtes Komma und einen einzigen Punkt? Kann das gut gehen? Durchaus, findet Rezensent Peter Schöttler, der Heinz Dieter Kittsteiners Forschungsbericht über "Das Komma von Sans, Souci." gelesen hat. "Ohne (Komma) Sorge (Punkt)" - was kann diese Schreibung auf dem Gesims des Potsdamer Schlosses bedeuten? Keine zeitgenössische Schreibweise, kein Schreibfehler - also warum Komma, warum Punkt? Auch wenn sich Schöttler nicht sicher ist, ob der Historiker Kittsteiner "Wissenschaft oder Parodie" betrieben hat: Eine profunde Studie, die die deutsche Komma-Forschung auf eine neue Stufe hebe, sei ihm allemal gelungen - und das trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, auf die Kittsteiner im Impressum hinweist: "Gedruckt ohne Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft." Die zwei wesentlichen Hypothesen Kittsteiners zeichnet Schöttler in seiner Rezension nach: Die Satzzeichen könnten einerseits im Lichte der Geheimschriften des 18. Jahrhunderts gelesen werden: Das Komma könnte demgemäß für Calvinismus, der Punkt hingegen für Deismus oder Naturalismus stehen, so dass sich folgende Bedeutung ergebe: "Ohne strenge protestantische Religion - für die auch Friedrichs Vater stand - ist man sorgenfreier Deist." Mehr Gefallen findet Schöttler an Kittsteiners zweiten Hypothese, die dabei ansetzt, dass das Komma wörtlich als "virgule" (Virgel, Beistrich, Stäbchen) genommen wird. "Ein heikles Thema", gibt Schöttler zu, und fährt wohl mit leicht errötetem Gesicht fort: Kittsteiner gehe davon aus, dass dem Kronprinzen in seinen wilden Jahren etwas zugestoßen sein könnte, was, da medizinisch falsch behandelt, ihn seiner Potenz beraubt hat. Sarkastisch formuliert hieße das: "Ohne Virgel keine Sorge". Egal ob Wissenschaft oder Parodie: Abschließend wünscht sich der Rezensent, dass dieses Buch viele Leser, darunter "alle Geschichtsstudenten", findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2002

Nur wenigen Besuchern von Sanssouci fällt ins Auge, dass der Schriftzug am Potsdamer Schloss Friedrich II. wie im Buchtitel durch ein Komma getrennt wird, das ganze Generationen von Komma-Forschern auf den Plan rief, berichtet Valentin Groebner. Das Komma gibt so viel her, dass Heinz-Dieter Kittsteiner eine äußerst "vergnüglich" zu lesende, "fußnotengespickte Exkursionen" in die Welt der Geheimschriften des 18. Jahrhunderts unternommen hat und den Leser über allerlei Interpretationen unterrichtet, so der Rezensent. Vermuteten die einen, dass Friedrich mit dem Komma seine religiösen Überzeugungen kundtun wollte, nahmen andere an, das Komma sei ein codierter Hinweis auf seine Impotenz. In jedem Fall sei es dem Autor gelungen, lobt Groebner, den Leser in viele wunderbar verwegene Theorien einzuführen, auch wenn er ihm am Ende keine Auflösung des großen Rätsels präsentiere.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Nach der Darstellung des Rezensenten Jens Bisky wurde Professor Kittsteiner auf einer seiner Wanderungen durch Potsdam von der eigenwilligen Interpunktion der Inschrift "SANS, SOUCI." auf dem Schloss Friedrich II. dazu angeregt, einen "bezaubernd knappen" Forschungsbericht zu schreiben, in dem er allen möglichen Interpretationen auf der Spur sei, wobei der Verdacht, dass es sich dabei um eine Geheimschrift handle, nicht allzu leicht aus der Welt zu schaffen sei. Bisky, der die Geschichten um das Komma offenbar alle kennt, erzählt ein paar, um am Ende seiner Rezension festzustellen, dass auch Kittsteiner das Rätsel nicht lösen konnte. Dennoch: ohne diese "Gelehrtensatire auf die empirische Forschung wie aufs Allegorisieren" müsse man "voller Sorge" auf das Preußenjahr zurückschauen. Wenn das kein Lob ist.
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