Der Freistaat Schaumburg-Lippe war der kleinste Gliedstaat der Weimarer Republik. Hier wird seine Geschichte anhand der Biographie des Staatsmannes Heinrich Lorenz (1870-1947) dargestellt. Dieses Buch erzählt ein zu Unrecht vergessenes Kapitel der deutschen Demokratiegeschichte: Schaumburg-Lippe - bekannt vor allem als einstiges kleines Fürstentum - war in der Weimarer Republik ein Bollwerk der Demokratie im Miniaturformat. Heiko Holste stellt erstmals die politische Geschichte dieses Landes dar, dessen Hauptstadt zwar ein Hort der Republikfeinde war, dessen Bevölkerung aber mehrheitlich demokratisch wählte. Die Sozialdemokratie verfügte viele Jahre lang über eine absolute Mehrheit im Landtag, die sie für eine personelle Erneuerung der Verwaltung, eine aktive Sozialpolitik und zum Schutz der Weimarer Republik nutzte. Während das Reich von häufigen Regierungskrisen, Kanzlerwechseln und Neuwahlen erschüttert wurde, herrschte in Schaumburg-Lippe politische Stabilität; noch 1933 regierte hier eine republiktreue sozialliberale Koalition. Die Geschichte des Freistaates wird entlang der Biographie seines führenden Staatsmannes erzählt: Heinrich Lorenz baute die Arbeiterbewegung im Land auf, organisierte den friedlichen Übergang von der Monarchie zur Republik und prägte die Landespolitik wie kein anderer. Lorenz, der am 9. März 1933 von Hitlers Reichskommissaren abgesetzt wurde, war der letzte sozialdemokratische Regierungschef eines deutschen Landes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2026
Rezensent Robert Probst empfiehlt Heiko Holstes zeitgeschichtlichen Seitenblick auf den Freistaat Schaumburg-Lippe zwischen 1918 und 1933 als wenig bekanntes Stück deutscher Demokratiegeschichte. Zu lernen ist laut Probst, wie sich besonnene Sozialdemokraten und Republikaner gegen die Auflösung von Landtag und Demokratie erfolgreich zur Wehr setzten. Der Verfassungshistoriker Holste vermittelt das mit scharfem Blick und biografischem Ansatz, indem er etwa den wehrhaften Sozialdemokraten Heinrich Lorenz porträtiert, erklärt Probst. Ein verdientes Denkmal für den großen Zwergstaat und ein Lehrstück für die Leser, so der Rezensent erfreut.
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