Harry G. Frankfurt

Bullshit

Cover: Bullshit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518584507
Gebunden, 77 Seiten, 8,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. "Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Und jeder trägt sein Scherflein dazu bei." Mit diesen Worten beginnt der philosophische Bestseller. Harry G. Frankfurt hat eine scharfsinnige Analyse vorgelegt, wie es kommt, dass das "Blödsinnquatschen, das Rumpalavern, das Heiße-Luft-Produzieren oder schlicht das "bullshitting"", so Daniel Schreiber in der taz, so um sich greifen, dass wir ihnen überall begegnen: in den Medien, in der Politik, in der Kneipe und in der Bahn. Bullshit ist omnipräsent und schlimmer noch: Bullshit steckt an und droht zur Epidemie zu werden, bei der die Wirklichkeit Gefahr läuft zu verschwinden. Wer wissen will, ob und wie wir uns dagegen impfen können, dem sei geraten: Bullshit lesen!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.02.2006

Fulminant gepoltert heißt es anerkennend bei Rezensent Kurt Flasch über Harry G. Frankfurts aufrichtigen "Aufschrei" gegen die Un-Kultur der "Aufrichtigkeit". Der feine Unterschied von einer Aufrichtigkeit zur anderen werde vom amerikanischen Philosophen ein wenig "umständlich" sprachanalytisch auf den Unterschied von Wahrheit und Lüge zurückverfolgt. Wer lügt, kenne die Wahrheit, fasst der Rezensent die Moral von der Geschicht" zusammen, wer Bullshit rede, interessiere sich nur für seine persönliche Wahrheit. Bullshit entstehe Frankfurt zufolge erstens durch "Desinteresse an der Richtigkeit" und zweitens durch den notorischen "Moralismus in Politik und Feuilleton". So entstehe der Eindruck, wenn alle über alles notwendig unsachverständig reden und urteilen, als ob auch gefühlte rhetorische Wahrheit Wahrheit sei. Im Gegensatz zu jener, referiert der Rezensent den Philiosophen, lasse sich diese aber in der Regel überprüfen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2006

Dieses Buch könnte als "vom Himmel gefallene Offenbarung" erscheinen, wäre das Buch nicht schon vor gut 20 Jahren zum ersten Mal erschienen, meint Christian Geyer. Nun ist es in einer kleinformatigen, "preiswerten" und laut Rezensent dabei doch edlen Aufmachung auf Deutsch zu haben. Dass in der menschlichen Rede viel "heiße Luft", will sagen "Bullshit", produziert wird, schildere Frankfurt mit "viel Philologie und Unterscheidung" und der Leser könne dem nur ein bedrücktes "So isses" entgegen halten, bemerkt der Rezensent. Am Ende könne das Bändchen jedoch selbst als Bestätigung des hier dargestellten Phänomens gelten, kritisiert Geyer, der den Autor einen "Sprachpolizisten" nennt, der "Knöllchen" an die Produzenten dieser heißen Luft verteilt und, wie Geyer durchscheinen lässt, am Ende doch selbst nichts anderes ist als einer dieser "bullshitter", denen er mit seinem Büchlein zu Leibe rücken will.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2006

Uwe Justus Wenzel staunt, wieviel Analysekraft der amerikanische "analytische" Philosoph schon vor zwanzig Jahren aus einem Wort gezogen habe, das heute "kulturübergreifend" virulent sei. In einem Interview, so der Rezensent in seiner eher resümierenden Rezension, habe Frankfurt inzwischen auch die vermeintlichen "Kriegsgründe" für den Irak-Krieg als eine Musterfall für "Bullshit" bezeichnet. In seinem Buch stelle der Autor nämlich die "Lüge" als wesentliches Unterscheidungskriterium heraus. Dem "Bullshitter", referiert der Rezensent, sei die Wahrheit einerlei, er rede so, wie es ihm zupass komme, ohne sich um Wahr und Falsch zu kümmern, und dies verzerre zuletzt auch seine Wahrnehmung. Unerwartet aus Sicht es Rezensenten ist nun, das Frankfurt nicht einer neuen "Wahrhaftigkeit" das Wort redet, sondern gerade im kompensatorischen "Ideal der Aufrichtigkeit" das noch schlimmere Übel ausmacht, das dem "Ideal der Richtigkeit" völlig den Garaus mache. Das Fundament solcher fundamentalen und fatalen Oppositionen sehe der Autor in einer allgemeinen Kultur des "Skeptizismus", in der wissenschaftlich tatsächlich kaum noch etwas sicher sei. Selbst die Willensfreiheit, erinnert der Rezensent, sei beispielsweise von Frankfurt höchstselbst tief erschüttert worden.
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