Klappentext

Aus den Völkermorden des 20. Jahrhunderts ist bekannt, wie schnell Menschen soziale Fragen mit radikalen und tödlichen Lösungen beantworten. Harald Welzer zeigt, wofür im 21. Jahrhundert getötet werden wird. Jenseits der Bemühungen um die Ursachen des Klimawandels gilt es aktuell zu verhindern, dass Menschen zur Flucht vor der ökologischen Katastrophe gezwungen werden. Dann müssten sie nicht vor den Toren der privilegierten Industriegesellschaften in Lager eingesperrt werden, in der Wüste verdursten oder im Meer ertrinken. Der Sozialpsychologe Harald Welzer beschreibt die gegenwärtige ökologisch-politische Weltlage, plädiert für ein neues Denken und zeigt, was jetzt getan werden muss, um drohende Katastrophen abzuwenden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2008

Ein Buch "voll im Trend", befindet der Rezensent Werner Link. Harald Welzers Versuch, Klimawandel und Gewalt miteinander zu verknüpfen und auf das Schlagwort Klimakrieg zu bringen, findet Link zumindest äußerst werbewirksam. Ob die Festellung, der Klimawandel schaffe Gewalt und, neu ist oder eher eine Zuspitzung, beantwortet Link, indem er den Autor ein "Sprachrohr des alarmistischen Zeitgeistes" nennt. Den soziopsychologischen Ansatz des Bandes findet Link immerhin "originär", wenn auch der Nachweis für dessen Realitätskompatibilität seiner Ansicht nach noch aussteht. Die vom Autor auch nur probeweise ins Spiel gebrachte Handlungsanweisung nennt der Rezensent allerdings nicht mehr als "schöne soziologische Lyrik für Optimisten".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2008

Harald Welzers Buch über Klimakriege im 21. Jahrhundert hat Andreas Kilb letztlich nicht überzeugt. Zwar begrüßt er der die Absicht des Autors, eine Soziologie des Klimawandels entwerfen zu wollen. Auch scheinen ihm die von Welzer dargelegten Zusammenhänge von klimatischen Veränderungen und ihren verheerenden sozialen Folgen Überbevölkerung, Migrationsströme, Kriege um Böden und Wasser mitunter durchaus plausibel. Insgesamt aber hält er die Ausführungen des Autors für "Katastrophensoziologie", die ihm weniger wie eine Wissenschaft und mehr wie eine "Collage", ein "Apokalypsepuzzel" vorkommt. Beim Panorama, das Welzer eröffnet, vermisst Kilb jedenfalls eine "historische Analyse", die mehr als nur "spekulative Vergleiche" und "apokalyptisches Raunen" wäre.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.05.2008

Für Jörg Plath ist das Buch ein Schlag in die Magengrube. Keine angenehme Lektüre und doch oder gerade darum überzeugend, wie er gesteht. Des Sozialpsychologen Harald Welzers Ausführungen über die als Folge des Klimawandels zu erwartenden weltweiten Spannungen und Moral-Verschiebungen beeindrucken den Rezensenten in ihrer Fülle. Wenn Welzer das von ihm zum kulturellen Problem erhobene Thema über den bisher erreichten Standard der Gewaltanwendung in den Konflikten des 20. Jahrhunderts angeht, kann Plath sich die weitere Entwicklung, die Radikallösungen der Industrienationen im Kampf gegen Flüchtlingsströme und um bewohnbare Zonen nur mit Grausen ausmalen. Dass Welzers Katastrophensoziologie von einer kleinen "wolkigen" Hoffnung auf kulturellen Wandel abgesehen keine Lösungen anbietet, erscheint Plath der Düsterkeit des Gegenstands angemessen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.05.2008

Sehr beeindruckt zeigt sich Adam Olschweski von Harald Welzers Buch "Klimakriege". Er spricht von einer "bitteren, wenngleich das Bewusstsein erweiternden Lektüre". Neben einer ungeschminken Sicht der katastrophalen sozialen Auswirkungen, die der Klimawandel nach sich zieht, offeriert das Werk Olschweski zufolge ein breites Panorama der Zeitläufe, "mit Blick auf die Gewaltanwendung". So kommt nicht nur die Situation im sudanesischen Darfur oder die Auslöschung der Bevölkerung der Osterinseln zur Sprache, sondern auch die Frage nach den Ressourcen, die Abschottungstaktiken Europas, Terrorismus usw. Manches davon scheint Olschweski nicht wirklich neu, doch nirgendwo sonst findet er die Themen so auf den Punkt gebracht wie bei Welzer. Immer wieder stößt er in dem Buch auf Sätze und Passagen, die bei ihm noch lange nachgewirkt haben. Generell würdigt er den offenen Blick des Autors, seine umfangreichen Recherchen, die Auswertung zahlloser Quellen und die nüchterne, aber anschauliche Darstellung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2008

Dieser "düstere" Essay besticht Rezensentin Christiane Grefe vor allem durch seine genauen Recherchen und die Schonungslosigkeit, mit der Harald Welzer künftige und gegenwärtige Krisen und Kriege ausgemalt hat. Aber auch seine Schilderung der sozialen Bedingungen für die gewalttätigen Konflikte und soziale Katastrophen beeindrucken die Rezensentin durch sozialpsychologische Sachkenntnis. Allerdings vermisst sie schmerzlich Vorschläge, diesen fatalen Entwicklungen entgegensteuern zu können, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf ökologischer Ebene, und fühlt sich bei der Lektüre von der "Schicksalsergebenheit" des Autors zunehmend gelähmt. Seltsam altbacken wirkt auf sie auch, wie der Autor Kultur und Technik als Widersprüche gegeneinander ausspielt. Besonders, weil ihr in der produktiven Kombination von beidem einiges Konfliktlösungspotenzial zu liegen scheint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2008

Beunruhigend findet Rezensent Herfried Münkler dieses Buch über die verheerenden Folgen des Klimawandels für die soziale Ordnung, das der Sozialpsychologe Harald Welzer vorgelegt hat. Er bescheinigt dem Autor, vor Augen zu führen, wie Naturkatastrophen zu Migrationswellen von ungeahnten Ausmaßen und exzessiver Gewalt führen werden. Eine Vorahnung böten hier die Genozide in Darfur und - wie wir in dieser Besprechung leider ohne weitere Erklärung lesen - angeblich auch in Ruanda. Zwar scheinen Münkler die einzelnen Elemente von Welzers Prognosen nicht unbedingt neu, aber in ihrer Verknüpfung gewinnen sie eine Intensität, wie man sie selten findet. Sein bedrohliches Zukunftsszenario wirkt auf Münkler keineswegs übertrieben, sondern sehr plausibel. Gleichwohl plädiert er gegen den Fatalismus, der einen bei der Lektüre des Buchs recht leicht befallen könnte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2008

Eher skeptisch betrachtet Rezensent Uwe Justus Wenzel dieses Buch über den Zusammenhang von Klimawandel und Gewalt, das der Sozialpsychologe Harald Welzer vorglegt hat. Dieser Zusammenhang scheint ihm im Blick auf die zahlreichen Konflikte, die durch Verlust von Nutzflächen und Wasserknappheit durch Dürre und Bodenerosion entstanden sind, zwar durchaus plausibel. Auch über die indirekten Zusammenhängen findet er bei Welzer Erhellendes. Aber er wirft dem Autor vor, einem "Pathos der Untergangsprophetie" zu frönen und einen Pessimismus an den Tag zu legen, den er mit empirischen Daten nicht wirklich begründen kann. Zudem fällt das Buch, was den Beitrag der Sozial- und Kulturwissenschaften zur Analyse und Bewältigung der sozialen und kulturellen Folgen des Klimawandels angeht, in seinen Augen recht dürftig aus. Hier gehe Welzer über Probleminventur, Programmatik und die Skizze möglicher Forschungsvorhaben nicht wirklich hinaus.