Der Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten hat tiefe Spuren im europäischen Gedächtnis hinterlassen. In diesem Buch wird erstmals untersucht, wie die Erfahrung von Krieg, Kollaboration, Komplizenschaft und Verfolgung zwischen den Generationen weitergegeben wird und welche Gestalt die Kriegserinnerung heute in verschiedenen europäischen Ländern annimmt. Dabei zeigt sich das Deutschenbild überraschend positiv, aber es zeigt sich auch, dass der Antisemitismus unerwartet tief verankert ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2007
Erschreckend findet Rezensentin Birgit Aschmann die Ergebnisse dieser von Harald Welzer herausgegebenen Untersuchung über die Erinnerungspraxis in diversen europäischen Ländern im Blick auf den zweiten Weltkrieg, den Holocaust, Kollaboration und Widerstand. Wie sie berichtet, wählten die Mitarbeiter des Projekts in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, Serbien, Kroatien jeweils zwanzig Familien für Interviews über die Thematik aus, um die Sichtweisen von Zeitzeugen sowie der nachgeborenen Kinder und Enkelkinder zu erforschen. Zwar kritisiert Aschmann das Fehlen von Frankreich und Polen sowie die statistisch doch sehr schmale Basis der Untersuchung. Aber die Ergebnisse scheinen ihr dennoch sehr instruktiv, auch wenn sie recht düster ausfallen. Neben der Bereitwilligkeit, gegenwärtige Ereignisse wie den Irak-Krieg oder die Verhältnisse im Nahen Osten mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gleichzusetzten, hebt Aschmann die vielfach auftauchenden antisemitischen Stereotype hervor sowie die milde Sicht auf "die Deutschen" und einen Mangel an Mitgefühl mit den Opfern.
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