Harald Martenstein

Heimweg

Roman
Cover: Heimweg
C. Bertelsmann Verlag, München 2007
ISBN 9783570009536
Gebunden, 224 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Als Joseph aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkommt, ist er trotz Lungendurchschuss topfit verglichen mit dem, was sonst noch aus dem Zug steigt. Dass er von seiner Frau Katharina, der schönen Tänzerin vom Rhein, nicht abgeholt wird, überrascht ihn kaum. Er ist Realist. Aber das Eifersuchtsdrama, in das er hineingerät, verblüfft ihn doch ein wenig. In seinem ersten Roman wirft Harald Martenstein einen ungewöhnlichen Blick auf die Kinderjahre der Republik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.05.2007

Rezensent Harry Nutt begrüßt die romanhafte Annäherung des Journalisten Harald Martenstein an das Leben seiner Großeltern. Nur dank der "literarischen Techniken der Enkel" werde in solchen Projekten die bundesrepublikanische Geschichte erinnert, da doch schließlich niemand mit diesen "schrulligen Alten" gesprochen habe. Bei Martenstein sei eine Art Mainzer "magischer Realismus" herausgekommen, wenn die Großmutter als frühere Tänzerin und Barfrau beispielsweise Freddy Quinn und Rudolf Schock am Kaffeetisch versammele, in einer "sich langsam steigernden Schizophrenie". Martensteins Fähigkeiten liegen mehr in der "Pointe" denn in der Handlung oder Figurenzeichnung, räumt der Rezensent ein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2007

Klein und weise findet Alexander Cammann das Buch. Klein, weil es dem Rezensenten erst wie eine slapstickhafte, betont lakonische Wirtschaftswunderburleske vorkommt. Weise, weil sich das Buch eben nicht als "Persiflage des Sönke-Wortmann-Heimkehrer-Films" oder "Unterhaltungskost" eignet, sondern sich bald als "Parabel über das Fortleben der Vergangenheit" mit "knüppeldickem" Ende entpuppt. Plötzlich begegnen dem Rezensenten jede Menge Geister und Wahn und Wirklichkeit werden so ununterscheidbar wie Täter und Opfer. Cammann befürchtet, "simplere Gemüter" könnten die aufgetischte "moralische Uneindeutigkeit" skandalös finden. Dass eben darin der Reiz des Buches liegt, daran lässt er jedoch keinen Zweifel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Christoph Bartmann nimmt sich den ersten Roman des Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein vor und entdeckt hinter der vermeintlichen Einfachheit und Arglosigkeit eines kindlichen Ich-Erzählers ein ziemlich kompliziertes Gebilde. Der Ich-Erzähler, aus dem man trotz der behaupteten Naivität die Stimme des Autors heraushört, erzählt die Liebesgeschichte der Großeltern. Selbst wenn Martenstein damit auf der Welle der zur Zeit modernen Familienromane mitschwimmt, verweigert er sich dem darin gern geübten Realismus, stellt der Rezensent anerkennend fest. Nicht nur, dass er keine lineare, chronologische Geschichte bietet, hebt ihn vom Genre ab, sondern eben auch der Erzähltrick, das Erzählen einem Kind zu überlassen, so Bartmann. Trotzdem hat er manchmal wohl den Eindruck, dass das Buch überkonstruiert ist, denn er fragt sich an einer Stelle, ob Martenstein vielleicht zu genau wisse, was er tue. Wenn der Autor aber Poesie und Surreales einfließen lässt, dann festigt sich das "Vertrauen", im Kolumnisten doch auch den Romanautor gelten zu lassen, so Bartmann etwas verhalten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2007

Richard Kämmerlings hat sich, wie er gesteht, lange in diesem Werk getäuscht. Nur auf den ersten Blick nämlich handle es sich beim Romanerstling des als Autor "launiger" Kolumnen bekannten Publizisten Harald Martenstein um ein so unterhaltsames wie letztlich ein wenig belangloses Buch in autobiografischer Manier. Der Großvater Wolfgang nämlich, von dem der Ich-Erzähler berichtet, kann aus Altersgründen schwerlich des Verfassers Opa sein. Bei näherer Betrachtung des weiteren Fortgangs der Erzählung aus deutscher Nachkriegszeit stellt sich sogar heraus, dass mit diesem Ich-Erzähler - seiner schieren Existenz - etwas nicht stimmen kann. Und als Kämmerlings das merkte, war er von seiner Harmlosigkeitsvermutung gründlich kuriert. Dann nämlich stellt sich das angenehme Geplauder als bloße Benutzeroberfläche einer "hintersinnigen" und "raffinierten" Gesamtkonstruktion heraus, die dafür sorgt, dass die Bundesrepublik in diesem Roman zuletzt als unheimliches "Zwischen- und Schattenreich" erscheint.
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