Als eines der bedeutendsten Ausstellungsunternehmen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts markieren die "Junggesellenmaschinen" zugleich einen Höhepunkt in Harald Szeemanns "Museum der Obsessionen". Diese grundlegend erweiterte Neuauflage des längst vergriffenen Kataloges macht anhand ergänzender Materialien Kontext, Ökonomie und Rezeption des Unternehmens exemplarisch zugänglich. Ein ausführlicher Anhang erörtert aus heutiger Sicht den Stellenwert der "Junggesellenmaschinen" im Hinblick auf das Phantasma der digitalen Netze und das Universum der technischen Bilder, aber auch im Hinblick auf philosophische, erkenntnistheoretische und politische Bedingungen der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2000
Es steht ein schöner Satz in dieser Besprechung: "Man darf nicht überall Junggesellenmaschinen sehen." Bernhard Dotzler zitiert damit in indirekter Rede Michel Carrouges, der 1954 in einem Essay die Theorie der "zölibatären Maschinen" entwickelt hat, die wiederum das Motto einer Ausstellung abgab, die, von Harald Szeemann kuratiert, in den 70er Jahren durch halb Europa wanderte. Dotzler findet Carrouges` "Gebrauchsanweisung" immer noch aktuell: sie ist abgedruckt in dem neuaufgelegten und erweiterten Ausstellungskatalog, der auch das "mentale Klima" der 70er Jahre dokumentiere, in denen man den "Anti-Ödipus" las und das Konstruktionsprinzip der zölibatären Maschine auch auf die Literatur zu übertragen versuchte. Siehe Kafka, Jarry, Roussell und andere. Der neu aufgelegte Katalog, der den eigenen Spuren folgt, so schreibt Dotzler, sei ein Beleg dafür, dass die "Junggesellenmaschinen" nicht nur Wort, "sondern gleichsam Fleisch" geworden seien.
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