Herausgegeben von Arne Schirrmacher. Die Edition gibt anhand größtenteils unbekannter Originalquellen ein kritisches Bild des zweiten deutschen Nobelpreisträgers für Physik. Dazu werden die detailreichen Schilderungen, die Philipp Lenard zu seinem Lebensweg, aber auch zu den Physikern und den Laboratorien seiner Zeit gegeben hat, mit Quellen anderer Wissenschaftler und seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen konfrontiert und hinterfragt. Auf diese Weise entsteht ein differenziertes Bild nicht nur einer komplexen Wissenschaftlerpersönlichkeit sondern zugleich auch von den zahlreichen Problemen und Auseinandersetzungen der Physik im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik. Jedem an der Physik Interessierten werden die Zusammenhänge von physikalischen Entdeckungen und persönlichen Charakteren, von Laboratoriumsausstattungen und wissenschaftstheoretischen Vorstellungen innerhalb politischer und persönlicher Auseinandersetzungen eine faszinierende Lektüre bereiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2010
Über die politische Ideologisierung von Wissenschaft kann Milena Wazeck hier einiges erfahren. Schon weil der Physiker und Nobelpreisträger Philipp Lenard während des Nationalsozialismus im Zentrum solcher Prozesse stand, hält sie den von Arne Schirrmacher herausgegebenen Band mit den Lebenserinnerungen Lenards wissenschafts-, als auch zeithistorisch für höchst interessant. Detailliert erscheint ihr das Bild, das aus den hier abgedruckten, vom Herausgeber kritisch annotierten ersten Entwürfen von 1931 und dem vollständigen Originaltext von 1943 entsteht. Auch erscheint ihr Lenard in neuem Licht, als Suchender und Verzweifelter nämlich. Wichtige Aspekte der Physikgeschichte der Jahrhundertwende, politische und soziokulturelle Entwicklungen sowie der Arbeitsalltag der Physik zu Lenards Zeit sind Wazeck nach der Lektüre vertrauter.
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