Aus dem Englischen von Ernst Michael Lange. Dieses Lexikon erschließt das weitgehend fragmentarische und aus Notizen bestehende Werk Ludwig Wittgensteins. Die 85 Einträge mit ausführlichen Textverweisen erläutern in systematischer Weise die zentralen Ausdrücke der Wittgenstein?schen Philosophie, analysieren die Argumente zu einzelnen Fragen und widmen sich den grundlegenden exegetischen Streitpunkten. Eine Skizze zur intellektuellen Biographie Ludwig Wittgensteins, die die Entwicklung im Denken eines der herausragendsten Philosophen des 20. Jh. und den Zusammenhang zwischen seiner frühen und späten Philosophie aufzeigt, sowie ein detaillierter Index und eine umfangreiche Bibliographie runden den Band ab. (Ab 1.1.2002 kostet das Buch 76 Euro.)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2000
Wittgenstein verstehen, dass ist nicht nur für den gebildeteten Laien ein schwieriges Unterfangen, sondern auch für den Philosophen. Denn Wittgenstein hat sich Zeit seines Lebens gegen alles gewandt, was traditioneller Philosophie wichtig ist: "gegen den Anspruch auf universale Geltung der Aussagen, auf begriffliche Klarheit, auf argumentative Rationalität". Wie kann es da möglich sein, ein Lexikon zu verfassen, das dem Leser Wittgensteins Denken klar und eindeutig vor Augen führt? Matthias Kross hält das Unternehmen des Autors für eine schwierige Gratwanderung zwischen einer übersichtlichen und klaren Darstellung des philosophischen Denkens und einer unzulässigen, dem Philosophen nicht gerecht werdenden Vereinfachung. Ausführlich und detailbeflissen, auch reich an Fremdwörtern, erörtert Kross das Vorgehen und das Ergebnis des Autors. Er lobt die "gebotene Sorgfalt" und die "große Präzision" des Autors, kritisiert aber, dass er gerade bei der Bestimmung des Wittgensteinschen Philosophie-Begriffs dem "Sprachspiel-Löwen" die Krallen gestutzt habe: "Zu den sacrificia lexicalia gehöre die Planierung der stilistischen und intellektuellen Brillanz des Sprachspielphilosophen." Denn die erschließe sich nur bei der Lektüre des Gesamtwerkes, nicht im "segmentierenden Stichworteintrag". Kross relativiert diese Kritik, indem er erwähnt, dass der Autor selbst darauf hinweise, Wittgenstein zu lesen. Das Lexikon sei für den nützlich und "sehr zuverlässig", gar ein "unentbehrliches Hilfsmittel", der "einen verlässlichen Überblick über die für die philosophische Tradition relevanten Aspekte des schillernden Werkes Wittgensteins gewinnen möchte" und "sich die irritierende Mühe des labyrinthischen Hinunterblätterns" in der Gesamtausgabe weitgehend besser schenken will.
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