Hans-Georg Schleicher

Südafrikas neue Elite

Die Prägung der ANC-Führung durch das Exil
Cover: Südafrikas neue Elite
Institut für Afrika-Kunde, Hamburg 2005
ISBN 9783928049894
Broschiert, 367 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Während des Exils 1960 bis 1990 hatte der ANC zunächst unter komplizierten Bedingungen um das Überleben zu kämpfen, konnte dann jedoch seine Auslandsverankerung zunehmend für die Stärkung seines nationalen und internationalen Ansehens und für die inhaltliche und personelle Vorbereitung auf eine politische Machtübernahme nutzen. Der Autor untersucht am Beispiel zweier Schlüsselregionen der südafrikanischen Diaspora, den afrikanischen Frontstaaten und Großbritannien, Bedingungen und Entwicklungslinien des Exils, vor allem aber dessen Einfluss auf die politische, professionelle und auch persönliche Entwicklung von ANC-Führungskräften. Thematisiert werden zudem übergreifende politische Einflüsse, wie das Verhältnis des ANC zur einflussreichen KP Südafrikas sowie die Auswirkungen des Ost-West-Konfliktes auf den Befreiungskampf im südlichen Afrika.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.02.2006

Dieses Buch bezeugt, dass Exil auch als Chance zu begreifen und zu ergreifen ist, bemerkt die Rezensentin Ursula Trüper. In der Tat zeige der Historiker und DDR-Diplomat Hans-Georg Schleicher auf, wie die heutige politische Elite Südafrikas - die der von 1960 bis 1990 verbotenen ANC-Partei angehört und während dieser Zeit im Exil leben musste - sich die Dauer dieses Exils zunutze gemacht hat, und welche Erfahrungen ihr in den Gastländern (vor allem im kosmopolitischen London, das nach Lusaka als "zweites Hauptquartier" galt) zugute kamen und ihr als Nährboden für ihr jetziges regierungspolitisches Engagement dienen. Ganz besonders interessiert haben die Rezensentin dabei die neunzehn detailliert recherchierten Biografien von südafrikanischen Exilpolitikern, unter anderem von Thabo Mbeki.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2005

Andreas Eckert beginnt seine Besprechung von Schleichers Studie über die Genese der ANC-Elite in den Jahrzehnten des Exils mit einem Verweis auf die gegenwärtige Ernüchterung im Hoffnungsträgerland der neunziger Jahre - und auf die Kritik "an zunehmender Korruption und Nepotismus der Staatsklasse". Und wenn er auch sein nachfolgendes, uneingeschränktes Lob für das vorliegende Buch schlüssig begründet, so wartet man doch darauf, dass der angerissene Bogen wieder geschlossen wird, und man etwas darüber erfährt, wie denn nun die Exilerfahrung mit der unrühmlichen Seite der Gegenwart zusammenhängt. Schleicher, informiert der Rezensent, war von 1969 bis 1990 DDR-Diplomat im südlichen Afrika und hat seine alten Kontakte genutzt, um über 60 hochinteressante Gespräche - Rückgrat und Hauptquelle des Buches - mit heutigen Angehörigen der südafrikanischen Elite zu führen, die zu Apartheid-Zeiten exiliert waren. Zusammengenommen ergeben sie die Entstehungsgeschichte einer "Regierung im Wartestand", wobei zugleich die Unterschiede in der Exilerfahrung - etwa die besonderen Möglichkeiten, die sich für Frauen ergaben, die mit einem Mal den patriarchal zugewiesenen Rollen entkamen - deutlich werden.
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