Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat allein in Port-au-Prince mehr Menschen getötet als die Tsunami-Katastrophe in Südasien 2006, und es hat Haitis Hauptstadt buchstäblich am Boden zerstört. Aber auch die staatliche Infrastruktur liegt in Trümmern: Als eigenverantwortlich handelndes Völkerrechtssubjekt hat Haiti schon vor dem Erdbeben zu existieren aufgehört und steht heute faktisch unter der Vormundschaft der UN. Dabei begann alles mit einer Erfolgsgeschichte, die ebenso spektakulär wie einzigartig war: Die Selbstbefreiung der Sklaven in Frankreichs reichster Kolonie Saint Domingue, ein gelungener Spartakus-Aufstand, der im Januar 1804 zur Gründung der Republik Haiti führte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2010
Wenn es unter den europäischen Ex-Kolonien einen wahren Unglücksstaat gibt, dann ist das Haiti. Hans Christoph Buch, Kenner dieses von politischen und geografischen Extremen heimgesuchten Landes, vermittelt dem Rezensenten eben dieses Bild anhand seiner historischen Kenntnisse der verschiedenen machtpolitischen Konstellationen Haitis, anhand von ("leider weitgehend unkommentierten") Originaldokumenten sowie durch Aufzeigen des Konflikts zwischen Mulatten und Schwarzen und der Abhängigkeit von Europa und den USA. Dass Buch "kompakt" und "interessant" erzählen kann, ist das eine. Dass er die Frage, warum Haiti nicht zur Ruhe kommt, nicht beantwortet, wie Cornelius Wüllenkemper anmerkt, das andere.
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