Lyonel Trouillot

Straße der verlorenen Schritte

Roman
Cover: Straße der verlorenen Schritte
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2014
ISBN 9783954380152
Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. und Claudia Steinitz. Port-au-Prince. Das Gerücht verbreitet sich in Windeseile. "Geht nicht nach draußen", heißt es, "heute Nacht passiert etwas." Langsam wird es dunkel, der Strom fällt aus. An Stromstörungen hat man sich längst gewöhnt - ebenso daran, Wut und Hunger hinunterzuschlucken. Die Anhänger der Opposition wollen mit Gewalt an die Macht, doch es besteht Gefahr, dass die Miliz des Diktators unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichtet. Auf der Suche nach einem letzten Kunden irrt ein Taxifahrer durch die Straßen der Hauptstadt. Zur selben Zeit flüchtet ein junger Mann mit seiner Arbeitskollegin in das Haus eines Freundes, der hoch oben auf einem Hügel über der Stadt wohnt. Es soll ihre erste gemeinsame Nacht werden. Währenddessen steht die Besitzerin des größten Bordells der Stadt am Fenster und betrachtet sorgenvoll die Szenerie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2014

Um sich an die an Brüchen und Chaos reiche Geschichte Haitis zu erinnern, empfiehlt Cornelius Wüllenkemper dieses Frühwerk des haitianischen Lyrikers und Romanciers Lyonel Trouillot. Der Autor schildert hier Ereignisse jener Nacht vom 30. September 1991, als der Duvalier-Clan Haitis zarte Demokratiebewegung im Keim erstickte. Wie Trouillot lauter kleine Geschichten in verschiedenen Handlungssträngen erzählt und miteinander verknüpft, hat den Rezensenten beeindruckt. Auch dass der Autor seine Figuren nicht aus dem Milieu der Intellektuellen wählt, sondern Taxifahrer, Prostituierte und Postbeamte, gefällt Wüllenkemper gut. Langsam entwickelt sich beim Lesen das feingesponnene Netz aus Andeutungen und Verbindungen der Handlungsstränge und gibt den Blick frei auf das Leben im Dauerchaos, erläutert Wüllenkemper die Stärke des Romans. Dass der Autor sich der Mittel des Nouveau roman bedient, assoziativ, raffiniert Zeitebenen verschiebend und Erzählperspektiven verschränkend arbeitet, wie der Rezensent auflistet, scheint dem Buch einen zusätzlichen Reiz zu verleihen.

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