Als Hanns Cibulka das erste Mal seinen Fuß auf die sizilianische Insel setzt, hat er - die Worte Seumes und Goethes im Kopf - das Gefühl, in eine uralte Heimat zurückzukehren. Doch ist es keine Grand Tour, die ihn hierherführt, sondern der Krieg, und er ist kein Dichter, sondern ein Nachrichtensoldat der Wehrmacht. In einem verrotteten Gehöft hinter einem Olivenhain bezieht seine Regimentsvermittlung Quartier, legt Funkkabel, repariert Leitungen, schließt Fernsprecher an und überzieht das Land mit einem Gewirr von Drähten, das sich über viele Quadratkilometer wie ein Nervensystem über die Insel ausbreitet. Nachts nisten sich die Nachrichtensoldaten in die Gespräche der Offiziere ein und hören Funksprüche ab."Es ist nicht mein Krieg, der hier geführt wird", sagt der 22-jährige Cibulka, den es aus der mährischen Heimat nach Sizilien verschlagen hat. Mit dem Feldstecher kann er die Rauchfahne des Ätnas erspähen und sich die von Mythen und vielen Herrschaftswechseln geprägte Geschichte Siziliens vergegenwärtigen - Eindrücke vermischen sich mit Vorstellungen, Erlebtes mit Gelesenem.Nüchtern und eindringlich zugleich beschreibt Cibulka in "Nachtwache" den ereignisarmen, doch stets bedrohlichen Kriegsalltag, in dem die beständigen Anflüge der Jagdbomber ebenso lebendig werden wie die staubige, schattenarme Landschaft Siziliens mit ihren verkarsteten Bergen und der bleiernen Hitze der Luft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2022
Rezensent Andreas Rossmann kann Hanns Cibulkas Aufzeichnungen aus dem Gefechtsstand auf Sizilien nicht wirklich genießen. Dazu fehlen dem Text klare Trennlinien zwischen den Originalnotaten und den vom Autor später hinzugefügten Passagen, Aperçus und kulturgeschichtlichen Anmerkungen. Der Erlebnisbericht des Nachrichtensoldaten Cibulka, der später SED-Mitglied und Bibliotheksleiter in Gotha wurde, besticht laut Rossmann auch nicht gerade durch Landschaftsbeschreibungen. Allerhand unkommentierte Sachfehler versauern Rossmann außerdem die Lektüre.
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