Hannes Bahrmann, Christoph Links (Hg.)

Am Ziel vorbei

Die deutsche Einheit - Eine Zwischenbilanz
Cover: Am Ziel vorbei
Ch. Links Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783861533665
Gebunden, 362 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Von blühenden Landschaften im Osten und einer Angleichung der Lebensverhältnisse im gesamten Deutschland sind wir weit entfernt. Eine selbsttragende Wirtschaft in den neuen Ländern ist nicht in Sicht. Der Westen wird noch über Jahre hohe Transferleistungen erbringen müssen. Woran liegt das? Sind die Ostler zu verwöhnt, zu antriebsarm und zu sehr auf staatliche Zuwendungen orientiert oder sind von der Bundespolitik grundsätzliche Fehlentscheidungen getroffen worden, die mehr auf ein erweitertes Absatzgebiet zielten denn auf eine produktive Region mit konkurrenzfähigen Unternehmen? 20 Experten aus Ost und West analysieren die entscheidenden Weichenstellungen in den vergangenen 15 Jahren und versuchen, der immer wieder emotional geführten Debatte eine auf Fakten gegründete, sachliche Bilanz entgegenzustellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2005

Zwiespältig fällt Wolfgang Templins Urteil über diesen Band aus, in dem fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung die ostdeutsche Lage von verschiedenen Autoren, Sozialwissenschaftlern und politischen Akteuren ausgelotet wird. Zustimmen kann er auf jeden Fall den Befunden, die sich mit der gescheiterten wirtschaftlichen und sozialen Angleichung der Lebensverhältnisse befassen, etwa von Rainer Land und Ralf Willisch. Sie beobachten eine negative Dynamik, die in Gang gesetzt wurde, seit der Aufholprozess in den Jahren 1996/97 ins Stocken geriet: Die Guten gehen weg. Auch Rolf Reißigs Erinnerung, dass von einer Kolonisierung des Osten durch den Westen keine Rede sein kann, da das bundesdeutsche System von der Mehrheit der Ostdeutschen gewollt wurde und diese Akzeptanz erst schwand, als der wirtschaftliche Erfolg ausblieb. Gar nicht einverstanden ist Templin allerdings mit den Beizrägen, die sich mit den politischen und mentalen Folgen des Vereinigungsprozesses auseinandersetzen. Hier moniert er "Einseitigkeiten und Lücken", etwa wenn Ostalgie zum neuen "Eigenbewusstsein" verklärt werde, oder wenn das ostdeutsche Wahlverhalten als zukunftsweisend dargestellt wird, ohne die populistischen Gefahren dieser Entwicklung zu sehen. Und schließlich findet Templin, dass Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und Geschichtsverdrängung im Osten durchaus eigene Beiträge verdient hätten.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…