Wer sind die Gewinner, wer sind die Verlierer der deutschen Einheit? Klaus Schroeder, ausgewiesener Experte für die Geschichte der DDR und die Umwandlungsprozesse nach 1989, zieht erstmalig anhand von gesichertem Zahlenmaterial Bilanz - und kommt zu Ergebnissen, die im Widerspruch stehen zu weit verbreiteten Stimmungen und Vorurteilen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2001
In seiner eingehenden Besprechung findet Eckhard Jesse viel Lobenswertes in dieser Studie, hat aber auch einiges an Kritik anzumerken. Gar nicht überzeugt hat ihn die historische Einleitung, die er zu langatmig findet und die ihm zu viel längst Bekanntes aufführt, auch wenn es "stimmig" ist. Dagegen lobt er den folgenden Teil, der die Entwicklung Deutschlands nach dem Mauerfall untersucht, für seine "Ausgewogenheit" und seine "fundierte Information" und findet es erfreulich, dass Schroeder seine Überlegungen durch "empirische Belege" untermauert und durch viele Tabellen und Abbildungen absichert. Die Studie rückt manches "falsche Bild" zurecht und macht nachvollziehbar, warum in Ostdeutschland die Stimmung der Bevölkerung schlechter ist als die tatsächliche Lage, so der Rezensent. Er schätzt das Buch als "lebendigen Einblick" in die Lage Ostdeutschlands, auch wenn es vielleicht etwas "ostlastig" ist. Der Titel allerdings, meint er, wird nicht recht verständlich: worin der Preis der Einheit nun eigentlich besteht - dieser Frage sei Schroeder ausgewichen und habe damit eine "Chance verschenkt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2000
Die Zeit für eine Zwischenbilanz der deutschen Einheit ist gekommen, meinen sowohl der Autor wie der Rezensent dieses Buches. Karl Wilhelm Frickes recht professorale Besprechung stimmt überdies auch den Ergebnissen, zu denen Schroeder kommt, im allgemeinen zu. Er begrüßt die Einbettung der Analyse in den größeren historischen Kontext von vor 1945 über die Zeit des kalten Kriegs, Gorbatschows gescheiterten "Versuch zur Rettung der Sowjetunion" bis zur eigentlichen Wiedervereinigung. Viel Sympathie für Helmut Kohl wird weder auf Seiten Schroeders noch Frickes verborgen, wenngleich "Defizite und Fehler des Einigungsprozesses" Erwähnung finden. Der Rezensent schätzt den Stil des Buches, den er als "anschaulich, kenntnisreich, meinungsfreudig" bezeichnet und kritisiert nur manche Vereinfachung und gelegentliche Ungenauigkeiten.
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