Guillermo Cabrera Infante

Nichts als Kino

Cover: Nichts als Kino
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412718
Gebunden, 460 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Claudia Hammerschmidt und Gerhard Poppenberg. Kino oder Sardine? war die existentielle Frage, vor der der junge Guillermo und sein Bruder standen, wenn es darum ging, ob sie lieber ins Kino oder essen gehen wollten. Niemals fiel ihre Wahl auf den Fisch. Was als frühe Leidenschaft begann, ließ Cabrera Infante auch später nicht los: Er wurde Filmkritiker und Kinemathekenbegründer. Kenntnisreich und subjektiv entwickelt der Kinoenthusiast in seinen Artikeln und Essays eine eigene Skala zwischen Machwerk und Meisterwerk der Filmgeschichte und hält mit seiner persönlichen Vorliebe für B-Movies nicht hinterm Berg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2002

Dass Guillermo Cabrera Infante "der cinephilste Lateinamerikaner" ist, scheint sich für Georg Sütterlin mit diesem Band, einer bereits 1997 im Original erschienenen Auswahl seiner Kinotexte, zu bestätigen. Der Autor zeige sich als "intelligenter Fan" (freilich vornehmlich des amerikanischen Kinos, wie Sütterlin ein wenig enttäuscht anmerkt). Eine Spezies, die es laut Sütterlin eigentlich gar nicht geben dürfte und die mit ihrem großzügigen Verzicht auf Geradlinigkeit, professionelle Zurückhaltung und "filmseminarische Rigorosität" auch leicht auf den Senkel gehen kann. Dem Rezensenten geht es ein bisschen so: Vor Blasiertheit und Besserwisserei bewahre den Autor zwar die Leidenschaft, schreibt er, die "locker und assoziativ" gehaltenen, mit "enzyklopädischem Wissen" und "skandalösem Klatsch" jonglierenden Texte über Filmblondinen, Chaplin, Hitchcock, Groucho Marx etc. strotzten allerdings vor Kalauern. Auf nüchterne Gemüter könne das "eher pueril denn ansteckend" wirken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001

Auch Schriftsteller haben Hobbys, die man dann nicht mehr als solche bezeichnen kann, wenn sie darüber zu schreiben beginnen; problematisch wird es dann, wenn das Schreiben über das Hobby nicht ernsthaft genug betrieben wird, wie Rezensent Merten Worthmann im vorliegenden Fall feststellt. Infante schwärmt und schwelgt, ohne sich dem Gegenstand seiner Schwärmerei wirklich zu nähern, wundert sich Worthmann. Nur so erklärt sich sein zunächst seltsam anmutendes Urteil, in der besonderen Wertschätzung Infantes für das Kino liege auch eine Geringschätzung verborgen. Das Buch ist ein Sammelband, informiert Worthmann, der sämtliche Kritiken und Texte über Kino von Infante versammelt, ohne Angaben über Erscheinungsort und -datum. Eine Aufmachung, als handele es sich um einen Essayband. Infante, der seit langem in London lebt, fröne in den Texten seiner Vorliebe für Musicals und B-Pictures, während er den großen "Heiligen" des Kinos wie Godard, Antonio oder Bergman nichts abgewinnen könnte. Viel markiges Wortgeklingel in den Ohren des Zeit-Filmkritikers.
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