Cubanisimo!

Junge Erzähler aus Kuba
Cover: Cubanisimo!
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518411872
Kartoniert, 331 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Michi Strausfeld. Was bewegt die jungen Kubaner heute, was sind ihre Wünsche und Visionen? Zoe Valdés schildert eine Kindheit in Alt-Havanna, das Leben auf der Straße, die ewige Jagd nach dem Dollar. Andere Autoren beschreiben die Engstirnigkeit der Bürokraten - wie kann man Ökologie mit Planwirtschaft kombinieren? Und die Touristen? Die einen reisen enttäuscht ab und wollen wie Johnny nie zurückkehren; andere zieht es immer wieder ins kubanische Paradies, wo die so leidenschaftlichen Liebhaber warten. Und überhaupt: Die Liebe ist immer präsent. Alle Autoren - ob sie auf der Insel, im Exil oder in der Diaspora leben - sind nach 1959 geboren. Für die vorliegende Anthologie werden ihre verstreuten Erzählungen erstmals zusammengetragen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2001

Hanno Zickgraf sieht in diesem Band die "wirksamste Impfung (...) gegen die deutsche Tropenkrankheit: den Massentourismus". Zwar findet er das literarische Niveau dieser Geschichten nicht immer gleich hoch. Doch selbst die weniger gelungenen vermitteln seiner Ansicht nach mehr von der kubanischen Wirklichkeit, "als dies die beste Reisereportage könnte". Langeweile, Bürokratie, "paternalistisch-touristische Heimsuchungen", Fernweh, Schwulsein und Machismo - das sind die Themen, oder wie Zickgraf das nennt: Wespennester, in die in diesen Erzählungen gestochen wird. Und anders als bei zahlreichen jungen deutschen Autoren hat der Rezensent hier eine "beachtliche historisch-literarische Bildung" ausgemacht, die seiner Ansicht nach in den Erzählungen durchscheint, sich jedoch nicht aufdrängt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2001

Die Vitalität der kubanischen Literatur ist unbestreitbar, stellt Georg Sütterlin in seiner ausführlichen Kritik fest. Kaum ein anderes lateinamerikanisches Land könne auf eine so grosse Anzahl interessanter Schriftstellerinnen und Schriftsteller verweisen. Für die vielen Übersetzungen ins Deutsche nennt er verschiedene Ursachen: zunächst das Interesse an der kubanischen Revolution, später an den kubanischen Dissidenten und schließlich an Kuba als touristisches Traumziel haben auch das Interesse an kubanischer Literatur verstärkt, vermutet er. So spricht wohl viel dafür, dass auch die jüngst erschienene Anthologie von Autoren und Autorinnen, die alle nach 1959 geboren und in Deutschland meist noch unbekannt sind, ihr Publikum finden wird. Der Rezensent lobt die gekonnte Technik der Erzählungen und kritisiert gleichzeitig ihre zuweilen inhaltliche Dürftigkeit, was aus seiner Präsentation der Anthologie nicht unbedingt hervorgeht. Interessant klingt zumindest, wie viele Erzähler sich mit dem Ausland oder vielmehr mit Ausländern auseinandersetzen. Sie thematisieren beispielsweise die Kluft zwischen den Touristen und den darbenden Einheimischen oder befassen sich mit jenen "hippen Multikultis mit vollem Geldbeutel", die sich nur scheinbar mit der kubanischen Alltagsmisere fraternisieren. Sütterlin gefällt, wie es dieser Autorengeneration, die mit der Revolution groß geworden ist, gelingt, unterschwellig und mit Witz gepaart Kritik am System in die Erzählungen einfließen zu lassen. Er lobt auch die vielfältigen Informationen der Herausgeberin, die diese "reichhaltige Erzählsammlung " begleiten.
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