Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.08.2002
Günter Grass ist ein selbst erklärter Gelegenheitsdichter, der vor der handfesten lyrischen Auseinandersetzung mit Tagespolitik nicht zurückschreckt. Das war schon immer so und ist mit Novemberland, so Jan Wagner, nicht anders geworden. Die Sonettform der 13 Gedichte suggeriert längere Haltbarkeit, auch der von Humor und Ironie freie Inhalt spreche dafür, dass Grass sie mit Nachdruck erstrebt, selbst in Gedichten, in denen er, zum Beispiel, "anonym" auf "Minister Blüm" reimt. Gegen den Ernst hat Wagner denn auch gar nicht so viel einzuwenden, eher schon liegt ihm gelegentlich des Dichters Überdeutlichkeit wie Wackersteine im Magen. Allzu feierlich, allzu predigerhaft komme Grass manchmal daher, klagt der Rezensent, der dennoch keinen Hehl aus seiner grundsätzlichen Sympathie für den ganzen Zyklus machen will.
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