S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103977769 Gebunden, 128 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Mit einem Nachwort von Peter Walther. Günter de Bruyns letztes abgeschlossenes Werk führt ins historische Berlin der Gründerzeit und in die Landschaft des Spreewalds. Es ist die verblüffende Nacherzählung des Romans "Die Mittagsgöttin" von Wilhelm Bölsche aus dem Jahr 1891. Meisterhaft beschwört Günter de Bruyn die Atmosphäre einer Epoche zwischen Aufklärung und Geisterglaube, Fortschritt und Spiritismus. Er erzählt von Liebe, Verrat und der Aufdeckung eines großen Schwindels. Und je stimmungsvoller de Bruyn in die Vergangenheit eintaucht, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, dass das Buch auch vom Verschwörungsunsinn unserer Gegenwart handelt.
Einer der bekanntesten Autoren der DDR war Günter de Bruyn zu seinen Lebzeiten - mit Preisen "überhäuft", ihm gelangen sechsstellige Verkaufszahlen und er war enorm produktiv in seinem innerdeutschen, brandenburgischen "Exil", weiß Rezensent Alexander Cammann. Nach den vielen Jahren der Popularität drohte der Autor jedoch zuletzt doch noch in Vergessenheit zu geraten - vorschnell findet der Rezensent. Umso mehr freut sich Cammann über mehrere Neuerscheinungen zum 100. Jubiläum, die diesen Prozess hoffentlich noch aufhalten können. Ein Band über de Gruyns Fahrten durch die Mark Brandenburg etwa sowie das Jubiläumsheft der Neuen Rundschau bieten Gelegenheit, den DDR-Schriftsteller nochmal ganz neu zu entdecken, so Cammann. Und dann ist da noch "Die Mittagsgöttin" - ein schmaler Roman aus de Bruyns Spätwerk, 1991 erschienen - eine Nacherzählung des gleichnamigen Textes eines anderen, vergessenen Autors: Wilhelm Bölsche. In ironischem Ton verhandelt de Bruyn hier den Stadt-Land-Gegensatz, den Widerspruch zwischen ländlicher Idylle und städtischer Moderne, freut sich Cammann. Vor allem durch die Figur eines Schlossherrn meint der Rezensent die weise Stimme des Autors aus dem "Abseits" hören zu können.
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