60 Minuten Laufzeit. Von Pierre Bourdieu, Norbert Elias, Georg Simmel u. a.. Sprecher: Rolf Becker u. Martin Pawlowsky. Kommentare: Heinrich Epskamp. Musik: Ulrich K. Wendt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.04.2003
Gelesener Lektüre zum Essen, dem Appetit durchaus förderlich, hat Sven Siedenberg gelauscht. Schließlich spucken wir nicht mehr quer über den Tisch, wie unsere gar nicht mal so lange begrabenen Vorfahren - und wie es dazu kam und warum auch die Europäer irgendwann zum Besteck griffen, könne man sich von Norbert Elias erklären lassen. Andere Beiträge kommen unter anderem von Bourdieu und Simmel, es gibt Musik und sogar, verspricht Siedenberg, einen Ausflug ins Schlaraffenland. Selber würde er dorthin allerdings gar nicht unbedingt wollen: Zu wenige Tabus und Tischsitten.
Dieses Hörbuch ist ein "appetitliches Stück Aufklärung", meint Rezensent Konrad Heidkamp, dem sichtlich das Wasser im Munde zusammengelaufen ist. Denn der Tisch sei der Ort, an dem Genuss und Peinlichkeit in höchst amüsanter Manier aufeinandertreffen. Gotthard Scholz hat eine Reihe von Texten zu Tischsitten und -unsitten gesammelt und daraus ein Hörbuch gemacht, berichtet der Rezensent und liefert einige Beispiele: Norbert Elias schreibe über "Veränderungen im Trieb- und Affekthaushalt" und die Zivilisierungsbemühungen der letzten Jahrhunderte. Roland Barthes verbanne "Mord und Totschlag" in die Küche. Andere leisten Grundsätzlicheres, so der Rezensent, indem sie auf metaphysische Fragen antworten wie "Warum sind Teller rund?" und dergleichen. Pierre Bourdieu, so Heidkamp, kommt auf die "feinen Unterschiede" zu sprechen, in denen sich Klassenzugehörigkeit demonstriert. Über die Umsetzung als Hörbuch erfahren wir nur, dass die Texte von Kommentaren und Akkordeonmusik begleitet werden - über die Qualität der Vorträge leider nichts.
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