Gottfried Keller

Martin Salander

Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe unter der Leitung von Walter Morgenthaler. Band 8
Cover: Martin Salander
Stroemfeld Verlag, Basel und Zürich 2004
ISBN 9783878777083
Gebunden, 359 Seiten, 64,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2005

Konzeptionell etwas schwach fanden schon Kellers Zeitgenossen diesen letzten großen Roman des Schweizer Schriftstellers, berichtet Sabine Doering und muss dieser Kritik beipflichten. Doch die konzeptionellen Schwächen, die sie mit der Entstehung des Buchs als Fortsetzungsroman für eine Zeitung erklärt, würden aufgewogen durch die Aktualität des Themas, bekundet Doering besänftigt. Immerhin hört sich in ihren Ohren die Geschichte von den Zwillingsbrüdern, die darum würfeln, wer in welcher Partei Karriere macht, topaktuell an. Und auch "das Sittengemälde des aufstrebenden Kapitalbürgertums" in der Schweiz findet sie sehr gelungen, damit erweise sich Keller als Chronist seiner Zeit, der die bahnbrechende Veränderungen im Schweizer Wirtschaftsleben und in der Industrie erfaßt habe. Allerdings wirkt der Protagonist, eben jener Martin Salander, etwas zu altmodisch und bieder, meint Doering, weshalb eben auch das gut gemeinte Ende des Romans schon damals zu dünn und ehrenrührig gewirkt haben dürfte, vermutet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004

Die Rezensionsnotiz von "rbl" bespricht zugleich die historisch-kritische Neuausgabe des "Martin Salander" und den dazugehörigen Apparat-Band. Letzterer nämlich vermöge sehr viel Erhellendes über die Entstehungsgeschichte von Kellers letztem Roman zu berichten. So erfährt man, dass das Buch vom Herausgeber der "Deutschen Rundschau" bereits angekündigt wurde, bevor Keller noch die erste Zeile seines dann zunächst in Fortsetzungen erschienenen Romans geschrieben hatte - eine  Art Erpressung zum Schreiben. Über die Notwendigkeit der Verfertigung der einzelnen Abschnitte mit dem Fortsetzungs-Termindruck, der sich daraus ergab, hat Keller viel geklagt, auch das ist im Kommentarband dokumentiert. Der Rezensent lobt die "Vorzüge" der neuen "Edition" als vielfältig und erwähnt besonders die "Paralipomena", Notizen, die während der Niederschrift des Romans entstanden.
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