Aus dem Italienischen von Peter Brockmeier. 1348. Sieben junge Frauen und drei junge Männer fliehen vor dem Schwarzen Tod, der in ihrer Heimatstadt wütet, in ein Landhaus in der Nähe von Florenz. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich Geschichten, zehn an jedem Tag, so dass nach zehn Tagen 100 Geschichten versammelt sind. Aber was für Geschichten! Derbe, tragische, komische und erotische Geschichten, die zum Vorbild wurden für Generationen von Novellisten - darunter Chaucer, Margarete von Navarra, Rabelais, Cervantes, Shakespeare, Lessing und Goethe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2013
An Boccacios "Dekameron" probieren sich längst nicht so viele Übersetzer aus wie an Dantes "Göttlicher Komödie", weiß Rezensentin Franziska Meier, die deshalb diesen Vorstoß des Berliner Romanisten Peter Brockmeier begrüßt. An der Bedeutung des Novellenkranzes, in dem sich eine Schar junger Leute aus dem "pestverseuchten Florenz" aufs Land flüchtet, um sich dort die Zeit mit dem Erzählen von Geschichten und Legenden zu vertreiben, hat sie keinen Zweifel. Brockmeiers Übersetzung beschreibt Meier als eingängig, eher dem Lesevergnügen als der philologischen Akkuratesse verpflichtet. Den Verzicht auf altertümelndes Vokabular rechnet die Rezensentin Brockmeier hoch an, Kritik übt sie jedoch an fehlender Subtilität, zu großer Freiheit und einer mitunter einfallslosen Prosa. Allerdings entschädigt sie dafür der umsichtige Kommentar im zweiten Teil, so dass sie diese Übersetzung als Zugang zu Boccaccios faszinierendem Werk empfehlen kann.
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