Kurt Flasch

Vernunft und Vergnügen

Liebesgeschichten aus dem Decameron
Cover: Vernunft und Vergnügen
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406489594
Gebunden, 287 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Vergnügen bereitet das Decameron mit seinen vielen heiter erotischen Novellen nun schon seit über 600 Jahren. Elf dieser Liebesgeschichten sind hier neu in heutiges Deutsch übersetzt. Im zweiten Teil des Buches deutet Kurt Flasch, ausgehend von der Schlussnovelle, das gesamte Decameron neu. Aus dieser Perspektive - der Geschichte über die so sonderbar willfährige Griselda - zeigt sich der für Boccaccio in Sachen Liebe so entscheidende Zusammenhang zwischen Vergnügen und Vernunft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2003

Hans-Herbert Räkel wird nicht müde, diese Neuübersetzung von Geschichten aus Boccaccios Decameron nebst Essay, der die Liebe im Decameron untersucht, zu loben. Zunächst preist der Rezensent die Übersetzung des emeritierten Philosophieprofessors für ihre Modernität. Dennoch hat sie nichts an Genauigkeit eingebüßt, so Räkel begeistert. Auch den Essay lobt er sehr als vergnüglich und überzeugend, wobei er insbesondere Flaschs Interpretation der "Heiterkeit Boccaccios" als spezifisch literarische sehr überzeugend findet. Überhaupt lobt er die "überzeugenden Analysen" der Decameron-Geschichten und sieht trotz der kritischen Distanz, die der Autor zur Literaturwissenschaft hält, literaturwissenschaftliches Handwerkszeug bei der Textinterpretation gewinnbringend eingesetzt. Richtig in "seinem Element" aber sieht er Flasch, wenn er eine christliche Interpretation der Geschichten ablehnt und antike Traditionen im Decameron nachweist. Hier sieht Räkel "Talent, Gelehrsamkeit, Erfahrung und kerngesunden Menschenverstand" sogar gegen Petrarca bestehen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2002

In seinem neuen Buch "Vernunft und Vergnügen" übersetzt und interpretiert Kurt Flasch, für Rezensent Albert Gier "vielleicht der beste Kenner mittelalterlicher Philosophie in Deutschland", elf Liebesgeschichten aus Boccaccios "Decameron". Gier lobt Flaschs Übersetzung der Novellen als "angenehm" zu lesen, die sexuellen Anzüglichkeiten seien oft witzig widergegeben. Wie Gier ausführt, stellt Flasch in seinem Interpretationsteil zunächst gegen die ältere Boccaccio-Forschung klar, dass das "Decameron" weder ein Zeugnis eines (zu) einseitig als christlich aufgefassten Denken ist, noch ein "realistisches Buch", das Wirklichkeit einfach abbilde. Flasch verstehe die Geschichten des "Decameron" vielmehr als "exempla einer Krise der Maßstäbe für exempla", berichtet der Rezesnent. Insbesondere Flaschs Ausführungen über die Griselda-Novelle findet Gier spannend. So weist Flasch nach Einschätzung Giers überzeugend nach, dass Griselda als "Heroin reiner Selbstbestimmung" stoische Weisheit verwirklicht. Allerdings scheint es Gier, als ob Boccaccio dieses Ideal zugleich problematisiert. Insgesamt ist Flaschs Buch für Gier ein "willkommener Begleiter auf dem Weg durch Boccaccios Liebesgarten", und das "obwohl (oder gerade weil) sein Buch gelegentlich zum Widerspruch reizt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2002

Fast meint man den Rezensenten Winfried Wehrle bei der Abfassung seiner Rezension lächeln zu sehen. Der Philosoph Kurt Flasch hat elf Geschichten aus dem Decameron "lesenswert" neu übersetzt und "lesbar" interpretiert, schreibt er. Bei der Interpretation scheint Flasch recht forsch vorgegangen zu sein: 'Bildungsplunder' und die 'gedankliche Schwäche von Geisteswissenschaftlern' - hier insbesondere der Literaturwissenschaftler - beiseite schiebend, erklärt Flasch Boccaccio kurzer Hand zum Philosophen, teilt Wehrle uns mit. Am Beispiel der armen Griselda, die von ihrem vornehmen Ehemann zutiefst gedemütigt wird, dies jedoch mit unendlicher Geduld erträgt, um dafür am Ende mit einem "empörenden Happy End", so Wehrle, belohnt zu werden, zeigt Flasch, wohin der Philosoph Boccaccio uns führt: Griselda, ideengeschichtlich betrachtet, ist eine Stoikerin und damit für Flasch eine 'Heroin reiner Selbstbestimmung'. So ganz überzeugend findet der Rezensent, der Flaschs Seitenhiebe auf die Literaturwissenschaftler gutmütig hinnimmt, diese Interpretation nicht. Außerdem, schreibt Wehrle, wollte Boccaccio ausdrücklich kein Philosoph sein, sondern als Poet lieber die Natur nachbilden. Dennoch scheint Wehrle dieses Buch durchaus mit Vergnügen gelesen zu haben. Und Gott sei Dank verträgt ein Klassiker auch was.
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