Laurent Binet

Perspektiven

Roman
Cover: Perspektiven
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498006945
Gebunden, 304 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Kristian Wachinger.  Florenz im 16. Jahrhundert. Der Maler Jacopo da Pontormo wird tot aufgefunden, mit einem Meißel erstochen liegt er zu Füßen seines unvollendeten Freskos in der Kapelle von San Lorenzo. Anscheinend wurden Teile des Werks übermalt - warum und von wem? Kurz danach verschwindet ein Gemälde. Auch in ihm schienen gefährliche Botschaften verborgen. Vasari, Handlanger des Herzogs von Florenz und Kunstkenner, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Die Situation erfordert Diskretion, künstlerisches Feingefühl und politisches Gespür. Denn Florenz ist ein Ort voller Intrigen und Geheimnisse. Ununterbrochen schwirren Briefe umher, jeder schreibt jedem über den sensationellen Fall. Ordensschwestern, Handwerker, die Medici und die großen Künstler der Renaissance: Jeder hat eine andere Perspektive auf das Geschehene. Aber was ist die Wahrheit? Wo ist das skandalöse Bild geblieben? Und vor allem: Wer hat Pontormo getötet?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.07.2025

Kritikerin Katharina Granzin freut sich über einen ziemlich anregenden "pseudohistorischen" Briefroman von Laurent Binet, der zwei Ebenen miteinander verschachtelt und 1557 spielt: Auf erster Ebene geht es um den Mord an dem Maler Jacopo da Pontormo, über den der Architekt Giorgio Vasari in Briefen korrespondiert, auf der anderen um eine Intrige der französischen Königin Catherine de Médici gegen ihren Cousin Cosimo, die vor allem seine Tochter Mari erwischt, erzählt Granzin. Sie hat großen Spaß dabei, die in heutiger Umgangssprache verfassten Briefe zwischen Michelangelo, den Medicis und vielen weiteren bekannten Zeitgenossen und die zwischendurch eingestreuten Diskussionen über den florentinischen Manierismus zu lesen. Auch wenn die Verbrechen am Ende nicht bestraft werden, findet sie die höchst kunstvolle Versuchsanordnung mit dem Kniff des Briefromans sehr reizvoll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Recht ungnädig geht der Kunsthistoriker und Rezensent Stefan Trinks mit Laurent Binets "Spätrenaissance-Whodunit" ins Gericht. Er erzählt vom Mord am italienischen Maler Jacopo da Pontormo, für dessen Aufklärung Cosimo de' Medici seinen Höfling Giorgio Vasari beauftragt. Dass die Aufklärung sich größtenteils in Briefform, angeblich auf Basis eines in Vasaris Geburtsort aufgestöberten Konvoluts, vollzieht, findet der Kritiker schon mal "kitschig"; und auch danach lässt er kaum ein gutes Haar an dem Roman: Dem Autor die mangelnde kunsthistorische Faktentreue vorzuwerfen, bezeichnet Trinks zunächst als "beckmesserisch", tut es dann aber doch; und auch, dass Binet die vollständige Zerstörung der betreffenden Pontormo-Fresken als kreativ zu füllende Lücke nutzt, kann der Kritiker nur negativ als quasi unfairen "Fantasievorschuss" werten. Immerhin habe Binet sich "tief eingelesen" in die Materie und vor allem in die Intrigen des damaligen Florenz, kann Trinks dem Autor zugutehalten, aber es ende trotzdem in einem "schräg verzerrten" Panorama mit irritierenden "Aktualisierungen" und abstoßenden Beschreibungen kopulierender Künstler, mäkelt Trinks. Für ihn eine künstlich aufgemotzte "comédie humaine", schließt er naserümpfend.