Giles Foden

Der letzte König von Schottland

Roman
Cover: Der letzte König von Schottland
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351029166
Gebunden, 429 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach. Der junge schottische Arzt Dr. Nicholas Garrigan trifft ausgerechnet am Tag des Militärputsches, mit dem Idi Amin 1971 die Macht in Uganda an sich reißt, in der Hauptstadt Kampala ein. Trotz der Wirren des Umsturzes gelingt es ihm, zu dem Buschkrankenhaus vorzudringen, in dem er die nächsten Monate als Arzt praktizieren soll. Doch der Zufall will es, daß Garrigan dem neuen Machthaber dabei buchstäblich in die Arme läuft: Als sich Idi Amin bei einem Autounfall die Hand verletzt, ist Garrigan als einziger Arzt zur Stelle...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.04.2002

Keineswegs gehe es in dem Romanerstling von Giles Foden um den letzten König von Schottland, sondern vielmehr um die fiktive Geschichte eines jungen Arztes, der 1971 nach Uganda kommt und nach kurzer Tätigkeit im Buschkrankenhaus schnell zum Leibarzt des grausamen Diktators Idi Amin wird. Jens Hohensee ist begeistert, wie der Autor, der 1967 geboren wurde und bis zu Beginn der neunziger Jahre in verschiedenen afrikanischen Staaten lebte, den jungen Arzt in seiner Ambivalenz zwischen "Faszination und Widerwillen gegenüber seinem groben und rohen Patienten" schildert. Foden habe dafür den renommiertesten britischen Literaturpreis bekommen, informiert Hohensee, der sich auf sein nächstes, bereits angekündigtes Buch freut.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2002

Giles Fodens Roman hinterläßt bei Rezensent Uwe Stolzmann einen recht zwiespältigen Eindruck. Die Geschichte um einen jungen schottischen Arzt, der 1971 nach Uganda geht, um zu helfen, dann aber Leibarzt des Diktators wird, und als "untätiger Mittäter" zusieht, wie dem Regime 300 000 Menschen zum Opfer fallen, ist nach Auskunft des Rezensenten erklärungsbedürftig wie selten ein fiktionaler Text. Wer ist der Autor? Handelt es sich überhaupt um einen Roman oder eher um ein Tagebuch? Sind die Details über Idi Amins Alltag verbürgt? Das Buch selbst bietet keine Hilfe, der Rezensent findet die gesuchten Informationen im Internet: es handelt sich demnach um einen gründlich recherchierten, faktengetreuen Roman. Fodens Verdienst erblickt der Rezensent vor allem darin, dass er die "Unschlüssigkeit des Individuums in einem Terrorregime" zum Thema macht. Auch den "klinisch kalten" Tonfall des Buches lobt Stolzmann. Andererseits bleiben die Mängel des Buches nach Ansicht des Rezensenten unübersehbar: die Figur des schottischen Arztes hält er für "partiell unglaubwürdig", das melodramatische Ende wirkt auf ihn peinlich. Zudem wimmle der Text nur so von Passagen von "ermüdender Weitschweifigkeit", "hausbackenen Szenen", "redundanten Floskeln" und "so manch stilistischem Nonsens". Ein wahres Ärgernis für den Rezensenten. Trotzdem kommt er nicht los von dem Buch, und darin erblickt er seinen "wahren Wert" : "Dass es den Leser zurückwirft auf sich selbst. Dass es ihn mit einer letzten Frage allein lässt: Was hätte ich getan?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2002

Der letzte König von Schottland ist, seiner eigenen bizarren Ansicht nach, Idi Amin Dada gewesen, eines der schlimmsten Scheusale, die je zu politischer Macht gekommen sind. Um die Verführbarkeit durch diese Macht geht es in Giles Fodens Roman, in dem ein junger schottischer Mediziner zum Leibarzt Idi Amins wird. Erst nach und nach beginnt er das Ausmaß der Verbrechen des Diktators zu begreifen - und ist hin- und hergerissen zwischen der Faszination durch die "wundersame Rhetorik" des Präsidenten und Abscheu vor den "Folterkellern". Das eigentliche - und wie der Rezensent Wolfgang Steuhl findet, konsequent durchgehaltene - Thema des Romans ist die Beobachtung, wie ein "leidlich gebildeter und dennoch denkfauler" Westeuropäer ohne böse Absicht zum "Mittäter und Mitschuldigen" werden kann. Der Roman ist exakt recherchiert und dringt nicht zuletzt dadurch, meint der Rezensent, "tiefer vor als bloß bis unter die Haut."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.12.2001

Giles Foden, britischer Schriftsteller und Journalist, lässt in seinem Debütroman "Der letzte König von Schottland" einen schottischen Arzt, Nicholas Garrigan, eine abstruse Geschichte erzählen, berichtet Karsten Kredel. In dieser geht es um das Verhältnis zwischen dem berühmt-berüchtigten ugandischen Diktator und Menschenschlächter Idi Amin und dem jungen Mediziner, der aus der Enge seiner heimatlichen Umgebung nach Afrika flüchtet und von Idi Amin zu seinem Leibarzt und Geliebten gemacht wird. Sein Bericht, so der Rezensent, gehe dabei so nahe an das Beschriebene heran, dass sich kein Gesamtbild ergebe, sondern zur schrulligen Impression gerate. Kredel hat die Sprache des Autors, die zwischen klinischer Sachlichkeit und emotionalem Stillleben oszilliere, deutliches Unbehagen bereitet. Sein Protogonist, schreibt der Rezensent, nehme einen grausigen Logenplatz beim enigmatischen Star Amin ein. Die Welt, die Foden hier destilliert, sei "morbid-komisch", ihr Erzähler moralisch anspruchslos. Das fordert, lässt Kredel durchblicken, vom Leser starke Nerven.

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