Aus dem Französischen von Michael Cuntz. In dieser philosophisch-technologischen Untersuchung stellt sich Gilbert Simondon dem ressentimentgeladenen Ausschluss der technischen Objekte aus der menschlichen Kultur ebenso entgegen wie technokratischen Machbarkeitsvisionen der Herrschaft durch Automaten. Stattdessen plädiert er für die Anerkennung und Reflexion der Existenz eines Kollektivs aus Mensch, offenen technischen Maschinen und Natur. In Auseinandersetzung mit der traditionellen Auffassung von Form und Stoff, dem Evolutionsdenken, Gestalttheorie, Kybernetik, Informationstheorie und Fragen der Gouvernementalität charakterisiert er technisches Denken und technische Existenzweise als Etappe im Werdensprozess von Leben und Denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2012
Das Buch, zuerst erschienen 1958, in Frankreich ein Klassiker, bei uns erst jetzt zu haben, verschlägt Henning Schmidgen den Atem angesichts seiner Gegenwartsrelevanz. Facebook und Google besser zu verstehen lernen durch Partizipation, das leitet der Rezensent aus Gilbert Simondons philosophischen Überlegungen zur Technik her - ein Gedanke, der ihm gut gefällt. Simondons Technikphilosophie sagt ihm überhaupt zu. Als Gegenprogramm zur Kybernetik, als Alternative zu Heideggers sägemühlenbasiertem Nachdenken über Technik, als empirische, durch Abbildungen gestützte Untersuchung ausgewählter Technikobjekte und ihre Verbindung mit einer ungewöhnlichen Terminologie und als Aufforderung zur Praxis, dazu, die Black Box aufzuschrauben und nachzusehen, was uns bewegt und/oder steuert. Für Schmidgen ein ehrgeiziger, sehr zeitgemäßer Versuch, den Informationsbegriff in den Griff zu bekommen.
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