Gilbert Adair

Mord auf ffolkes Manor

Eine Art Kriminalroman
Cover: Mord auf ffolkes Manor
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406550652
Gebunden, 294 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jochen Schimmang. Es ist Weihnachten 1935. Ein verschneites Herrenhaus am Rande von Dartmoor. Ein weihnachtliches Abendessen bei Colonel Roger ffolkes mit Freunden des Hauses und oben, im Dachgeschoss, die Leiche von Raymond Gentry, einem Klatschkolumnisten und Erpresser, mit einem Einschussloch im Herzen. Aber die Tür zum Dachzimmer war von innen verschlossen, das einzige Fenster ist mit dicken Eisenstangen vergittert, und natürlich findet sich keine Spur vom Mörder oder seiner Waffe. Glücklicherweise (für den Mörder leider weniger) ist einer der Gäste an diesem Abend die fabelhafte Evadne Mount, die erfolgreiche Bestsellerautorin zahlloser klassischer Krimis. Und wäre sie nicht in dieser Sache die geforderte Spürnase, "Mord auf ffolkes Manor" könnte geradezu von ihr selbst verfasst worden sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.03.2007

Ganz aus dem Häuschen ist Rezensent Yaak Karsunke über so einen feinen, eleganten britischen Kriminalroman und verkündet eine "glanzvolle postmoderne" Auferstehung des Genre. Die Heldin und Rätsellöserin sei eine Art Agatha Christie, die als Kriminalschriftstellerin in Konkurrenz zu einem pensionierten Scotland-Yard-Inspektor ihren ersten locked-room-Fall angehe. Ort der Handlung ist ein Landsitz bei Dartmoor, die Tatzeit Weihnachten 1935, also eine rundherum klassisch anmutende Szenerie, mit der Gilbert Adair genauso kunstvoll und anspielungsreich "jongliere" wie mit den übrigen typischen Ingredienzien dieses Genre britischer Provenienz. Seine Glanzmomente, bekennt der Rezensent freimütig, habe der Krimi immer dann, wenn man sich als Leser dabei ertappe, wie man trotz alle der Anspielungen von der Fiktion übermannt werde und beispielsweise mit den Figuren mitleide. In diesem "Tonlagenwechsel" zwischen ironischem Zitat und Spannung liege der "Hauptreiz" der Lektüre. Lobenswert seien aber auch die überragenden Formulierungskünste des Autors, die dank einer trefflichen Übersetzung auch im Deutschen voll zur Geltung kämen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2007

Nach der Lektüre dieses offensichtlich höchst speziellen Krimis vermeldet Rezensent Thomas Hermann freudig den Sieg der Literatur über das Leben. Schon der englische Originaltitel "The Act of Roger Murgatroyd" begeistert ihn als anagrammatische Umkehrung von Agatha Christies "The Murder of Roger Ackroyd", den er als Akt dieses Autors deutet, die legendäre Krimi-Autorin in den Olymp der Postmoderne aufzunehmen. Aber auch der Rest der Geschichte macht aus ihm, was wohl gute Krimis immer tun - nämlich aus dem Leser einen Detektiv. Es geht, lesen wir, um einen ermordeten verhassten Klatschkolumnisten, den man zuletzt auf einer Party sah. Rezensentendiskretion verhindert wohl, dass Hermann tiefere Einblicke in Tat und Handlungsverlauf gibt. Trotzdem quillt sein Lesevergnügen aus jeder Zeile.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2006

Martin Halter kennt genau, was er da liest. Dass Gilbert Adairs Krimi funktioniert, obwohl er dem geübten Leser keine Rätsel aufgibt, erklärt uns Halter mit der ansteckenden Lust an einer "unverschwitzten Parodie". Und der Perfektionismus des Autors bei der Konstruktion eines "klassischen 'Cozy'-Krimis" hat Halter sichtlich beeindruckt. Er zählt die Ingredienzen auf: Flackerndes Kaminfeuer, ein Inspektor mit Pfeife und Tweedsakko ­ alles an seinem gewohnten Platz. Auch bei der Unterwanderung krimineller Logik a la Agatha Christie enttäuscht ihn Adair nicht. "Fauler Zauber" und Meta-Suspense aus der Mottenkiste hin oder her, am Ende kann Halter diesen Roman sowohl dem naiven Leser als auch dem dekonstruktivistisch geschulten Kenner empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2006

Viel will Gustav Seibt nicht verraten. Schickt sich nicht bei einem Whodunnit. Also erörtert er ein bisschen das Genre des Pasticcios. Und erklärt das Buch von Gilbert Adair kurzerhand zur "fast makellosen" literarischen Stilkopie, hier des britischen Kriminalromans der 30er und 40er Jahre. Seibt hat große Achtung vor einer solchen Kraftanstrengung ("die langwierige Gangart"). Zumal, wenn der Autor, wie hier, nicht nur formal, sondern auch atmosphärisch ganze Arbeit leistet. Agatha Christie lässt grüßen. Und gründlich: Abgelegenes Herrenhaus, Leiche unterm Dach, Motive in Hülle und Fülle, Kommissar mit kalter Pfeife, ­ alles da. Der "Denksportaufgabe" des spielerischen Mitratens gibt Seibt sich darum gerne hin. Im retardierenden Moment ("absichtvolle Langeweile") erkennt er schließlich sogar etwas Überraschendes an diesem Buch, für ihn noch überraschender als die Auflösung des Mordfalls selbst.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.08.2006

Eine höchst vergnügliche Krimiparodie hat Ulrich Greiner anzuzeigen, die gleichzeitig ein traditioneller Krimi in feinster Machart ist. Agatha Christie habe Pate gestanden für dieses Rätsel um einem Mord in einem verschneiten Landhaus, informiert der Rezensent, der sogar Christie selbst als einen der acht Verdächtigen erkennt. Ein "Stimmenimitator erster Güte" sei mit Gilbert Adair am Werk, meint Greiner, der sich an den Jazz erinnert fühlt, wo ein guter Pianist aus einer Kombination von alten Motiven auch Neues schafft. Der "ausgefuchste Kenner" Adair verwende seine literarischen Bezüge bewusst und mit großer Sicherheit, lobt der Rezensent, der dem Krimi auch in technischer Hinsicht ein Prädikat mit Auszeichnung bescheinigt. Dass die Übersetzung der Klasse der Vorlage in nichts nachsteht, macht Greiners Glück perfekt.
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